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Januar 18, 2026

Test: Yamaha YCM705 – Punktlandung

Endlich ist es da: Das YCM705, Yamahas Großmembran-­Kondensatormikrofon für gehobene Ansprüche. ­Tatsächlich hat Yamaha mit diesem ­Mikrofon einiges auf den Punkt gebracht.

Text und Fotos von Harald Wittig

In jüngerer Zeit hat Yamaha, der größte Musikinstrumentenhersteller der Welt, sich wieder verstärkt um die Tonschaffenden bemüht – vom homerecordenden Musiker, über zeitgemäße Content-Creator bis hin zum Streamer. Vor allem die Musiker mit eigener Musikproduktionsumgebung und gehobenen Ansprüchen an die Aufnahme-Ausrüstung warteten allerdings schon etwas länger auf ein Kondensatormikrofon in Studio-Qualität. Im Sommer 2025 kündete Yamaha dann das Großmembran-Kondensatormikrofon YCM705 an – und da war er nun endlich, der wunscherfüllende Schallwandler. Nur mit der Lieferbarkeit des YCM705 war es schwierig. Doch jetzt ist das auch von uns seit Monaten sehnsüchtig erwartete Mikrofon endlich verfügbar und klare Sache: Wie laden es direkt zum Test. Bevor wir in eben diesen einsteigen, wie üblich die Preisinformation: Knapp 400 Euro kostet das YCM705, womit es preislich in der unteren Mittelklasse antritt, wo es bekanntlich einige durchaus angesagte Mitbewerber gibt. Das Yamaha-Mikrofon muss also schon Einiges zu bieten haben, um sich gegen die Konkurrenz zu behaupten.

Doppelmembran-Kapsel mit fester Nierencharakteristik

Wir haben es mit einem Echt-Kondensatormikrofon, also keinem Elektret-Mikrofon zu tun. Herzstück des YCM705, welches als Druckgradienten-Empfänger konstruiert ist und arbeitet, ist seine 1-Zoll-Doppelmambrankapsel: Die Membranen sind standesgemäß zwecks optimaler Leitfähigkeit goldbedampft, wobei lediglich die vordere Membran via Mittenschraubung polarisiert ist. Wir haben es also mit einer festen Nierencharakteristik zu tun. Eine bewusste Entscheidung Yamahas, soll dieses Mikrofon doch vor allem Singer/Songwriter sowie Content-Creator ansprechen und überzeugen. Denn die Nierencharakteristik bietet konstruktionsbedingt eine hervorragende Dämpfung von rückwärtig einfallendem Schall. Faktisch haben wir es mit einer nahezu vollständigen Auslöschung von hinten einfallenden Schalls zu tun, was für Heimaufnahmen in nicht optimaler Umgebung und – naturgemäß – den Live-Einsatz ausgezeichnet ist. Außerdem werden Nieren wegen ihrer guten Kanaltrennung allenthalben von Tonschaffenden geschätzt. Schließlich ist bei Nierenmikrofonen das Mischungsverhältnis zwischen Raumklang- und Direktschallanteilen ausgewogen. Ihr seht also: Eine Fülle von Argumenten, die für das YCM705 und seine feste Nierencharakteristik sprechen. Vor allem, wenn es sich um eine Erstanschaffung aus der Kategorie „Studio-Mikrofon“ handelt. Ausweislich des in der informativen Bedienungsanleitung gezeigten Polardiagramms haben die Yamaha-Konstrukteure eine wirklich gute Niere, die, allgemein gesprochen, den Anforderungen an diese Richtcharakteristik gerecht wird, konstruiert.

Das YCM705 verfügt über eine Doppelmembran-­Kapsel mit goldbedampften ­Membranen, die hinter dem robusten Drahtschutzkorb ­wohlbehütet ist. Nur die vordere Membran ist via ­Mittenschraubung ­polarisiert, sodass das Mikrofon feste ­Nierencharakteristik hat.

Bleiben wir direkt bei den technischen Daten: Als Grenzschalldruckpegel gibt Yamaha 120 dB SPL an – was ein sehr guter, wenngleich nicht überragender Wert für ein Kondensatormikrofon ist. Allerdings hat Yamaha insoweit an die Fälle der Mikrofonierung lauter Schallquellen – namentlich Perkussionsinstrumente – gedacht. Das YCM705 ist nämlich mit einer Vordämpfung/PAD ausgestattet, die das Eingangssignal um wahlweise 10 oder 20 Dezibel bedämpft. Damit erreicht das Mikrofon einen Grenzschalldruckpegel von 130 beziehungsweise 140 dB SPL, womit sich sehr gut arbeiten lässt, das YCM705 ist damit gut aufgestellt. Dass es einige Spezialisten, oft in der Ober- und Spitzenklasse gibt, die noch höhere Pegel verzerrungsfrei verkraften, sei aber nicht verschwiegen. Dennoch: Für die meisten Anwendungen, beispielsweise Gesangsaufnahmen mit nah – nicht sehr nah – mikrofonierter Stimme, ist das Yamaha-Mikrofon bestens gerüstet.

PAD- und Hochpassfilter an Bord

Da passt es ganz vorzüglich, dass unser Prüfling auch mit einem zweistufigen Hochpassfilter ausgestattet ist. Das besonders nützlich bei der Einzel-Mikrofonierung von bestimmten Instrumenten bei Ensembleaufnahmen sein kann: Yamaha liefert insoweit gute Hilfestellung im Handbüchlein, wenn beispielsweise für Viola, Gitarre oder Gesang die Einstellung „80 dB“, für Violine, Flöte oder Sopransaxophon „160 dB empfohlen ist. Dass das Hochpassfilter auch sinnvoll ist, um tieffrequente Störsignale wie Bodenvibrationen aus den Aufnahmen rauszuhalten, wisst ihr alle. Gut, dass das YCM705 sein Hochpassfilter an Bord hat. Dass sich ein solches wie auch ein Vordämpfungs-Schalter Standard in fast allen Preamps und den meisten Audio-Interfaces findet, wollen wir aber ergänzend anmerken.

Sowohl PAD als auch Filter sind über vertrauenerweckend solide und sanft rastende Schalter auf der rechten beziehungsweise linken Vorderseite – das ist die Einsprechrichtung – aktivierbar. Damit wollen wir sogleich über die allgemeine Verarbeitung des Mikrofons sprechen: Die ist nämlich richtig gut. Mit einem Lebendgewicht von rund 670 Gramm liegt das Mikrofon schwer in der Hand. Das Gehäuse ist pieksauber und seidenmatt lackiert, unser schwarz gewandetes Mikrofon bekam silberfarbene Aufdrucke spendiert, was richtig edel aussieht. Wem schwarz zu trist ist, kann das Mikrofon auch in weiß bekommen.

Das YCM705 gibt es im eleganten schwarz und schneeweiß. Es ist robust gebaut und sehr gut verarbeitet.

Neben dem Mikrofon als solchem finden wir im eher schlichten Liefer-Karton eine gute Spinne, einen Popschutz sowie ein Schutztäschchen/Federmäppchen fürs Mikrofon. Dass Yamaha zur Spinne noch Ersatzgummis beipackt, gefällt uns sehr gut. Die verlieren bei häufigem Einsatz schon mal ihre Elastizität und Ersatz ist immer dann, wenn er gebraucht wird, besonders schwer und umständlich zu beschaffen. Auch rein funktional kann die aus Kunststoff gemachte Spinne überzeugen: Sie hält das Mikrofon gut, federt Erschütterungen ordentlich, im Rahmen des Machbaren also gut ab und beschwert dank ihrer Kunststoffmachart die Kombination Mikrofon/Spinne nicht übermäßig. Allzu sehr zerrt das Duo jedenfalls nicht am Stativ. Dass der Stativ-Anschluss der elastischen Halterung über ein ein-/ausschraubbares Reduziergewinde verfügt, ist ein willkommenes Detail.

Steckbarer Popschutz

Das Popfilter macht einen robusten Eindruck mit seinem Kunststoffrahmen – das eigentliche Schutznetz ist aus Metall – und ist zur Montage praktischerweise einfach in die Spinne zu schieben. Der Sitz in der Halterung ist etwas wackelig, was aber in der Praxis ausweislich unserer Testerfahrungen keine negativen Auswirkungen hat. Dass es überhaupt dabei ist und seinen Zweck erfüllt, wiegt diese Marginalie locker auf.

Befassen wir uns nunmehr, bevor wir das YCM705 in der Praxis testen, mit seinen weiteren technischen Daten, beginnend mit dem Eigenrauschen: Als Ersatzgeräuschpegel gibt Yamaha 12 dB-A an. Das ist ein sehr guter Wert eingedenk der Tatsache, dass die besten Kleinmembran-Mikrofone mit Werten im Bereich von 11- 15 dB-A aufwarten. Bei den Großkopferten sieht es indes – die Kenner wissen es – oft noch weitaus günstiger aus. Beispielsweise glänzt das in dieser Ausgabe besprochene L1+ von Weissklang mit sagenhaften 4 dB-A bei Nierencharakteristik. Aber: Das sind Werte jenseits vom Bösen. Schon mit 10 dB-A rauscht ein Mikrofon praktisch nicht. In den meisten Anwendungsfällen wird ein Eigenrauschen des YCM705 nicht mal von Superhörern mit Fledermausohren bemerkt werden. Somit alles im doch sehr grünen Bereich. Viel interessanter ist die sehr hohe Empfindlichkeit von 24 mV/Pa das Mikrofons. Das ist dann wirklich klasse und gerade für den Aufsteiger wichtig, der bei der Anschaffung seiner Gerätschaften aus Kostengründen zu Kompromissen gezwungen ist. Bei einem so empfindlichen Mikrofon ist der Vorverstärker vergleichsweise geringer aufgedreht, sodass dessen etwaiges Eigenrauschen kaum mitspielt. Doch auch HighEnd-Preamps können bei optimalem Arbeitspegel ihr Vorverstärkungswerk verrichten. Die Aufnahmen sollten sauber, also störgeräusch frei bleiben.

Das YCM705 ist mit einer zweistufigen Vordämpfung sowie einem ebenfalls zweistufigen Hochpassfilter ausgestattet. Beides lässt sich auf der Vorderseite mittels guter Schalter aktivieren.

Yamaha gibt einen ehrlichen Frequenzbereich von 20 Hz bis 20 kHz für sein YCM705 an, die Anleitungsheft abgedruckten Frequenzgangschriebe weisen keinen nennenswerten Auffälligkeiten auf. Von 200 Hertz bis zwei Kilohertz ist der Kurvenverlauf ausgesprochen gleichmäßig, dann kommt es zunächst zu einem steten, aber sehr sanften Anstieg. Auf den folgt aber eine überraschende Senke knapp oberhalb fünf Kilohertz, im Bereich ab zehn Kilohertz erkennen wir den großmembrantypischen Höhenbuckel. Der ist machartbedingt  – Druckstau vor der großen Membran  – und nach unserer Erfahrung nur bei ganz wenigen Mikrofonen der Spitzenklasse wie einem M930 von Microtech Gefell vernachlässigbar gering. Beim Yamaha rechnen wir mit gewissen klanglichen Auswirkungen, wobei beim Klang noch andere Faktoren wie Auflösung und Impulsverhalten entscheidend sind.

Studioqualität auch klanglich

Womit wir beim alles entscheidenden Kapitel angelangt sind: Dem Klang des YCM705. Um dem auf die Spur zu kommen, nehmen wir Gesang, Sprache und ein kurzes Stück für Konzertgitarre unter Logic Pro auf. Selbstredend, dass auch für diesen Mikrofontest unsere bewährtes und hochpräzises Referenz-Terzett, bestehend aus Lake People Mic-Amp F355, Mytek 8×192 ADDA und Mutec MC3+USB für die optimale Vorverstärkung und Digitalisierung der vom YCM705 eingefangenen Klänge sorgt.

Schon beim Abhören des allerersten Takes leuchten unsere Augen und verschönert ein breites Grinsen unsere Antlitze. Denn das Yamaha-Mikrofon klingt richtig gut. Genauer gesagt überzeugen spontan Auflösung und Impulsverhalten zugunsten eines natürlichen Klangbilds. Mit dem „Grau in Grau“ von Billigmikrofonen, aber auch dem nicht so seltenen präsenten Klang gewisser gleichteurer Mitbewerber hat das YCM705 rein gar nichts am Hut. Vielmehr stehen mit ihm Sprech- und Gesangsstimmen sowie Soloinstrumente ausgesprochen stabil und gut ausgeformt im Raum. Das Mikrofon kann außerdem gut mit Zischlauten umgehen, Plosivlaute hält der Popschutz fern und auch den Anschlagimpulsen der Gitarrenaufnahme zeigt es sich lässig gewachsen. Es ist als Großmembran-Mikrofon kein „schneller“ Schallwandler, dennoch wirkt es einigermaßen wendig. Die Trägheit mancher Vintage-Mikrofone ist ihm, das wir im besten Sinne als modernes Mikrofon sehen, völlig fremd. Im direkten Vergleich mit den in dieser Ausgabe getesteten Mikrofonen von Austrian Audio und Weissklang kann es sich bemerkenswert gut behaupten. Sowohl das Weissklang L1+ als auch – und erst recht – das Austrian Audio OC-S10 lösen noch feiner auf. Allerdings sind die Unterschiede nur bei solistischen Aufnahmen ohrenfällig, während beispielsweise Lead-Vocals innerhalb dichter Arrangements vergleichbar und ziemlich sattelfest sitzen. Da spielt gut hinein, dass der Nahbesprechungseffekt vergleichsweise gering ausgeprägt ist. Ist das Hochpassfilter mit im Spiel, fällt er schon gar nicht mehr auf. Insgesamt ist das YCM705 allen relevanten Anforderungen sehr gut gewachsen, sodass im Besonderen Singer-Songwriter mit der Gitarre als Begleitinstrument oder auch Sänger, Rapper und Sprecher mit diesem Mikrofon sehr gut bedient sind. Na also: Yamaha hat mit dem YCM705 in der Tat das Wesentliche, Funktionalität und Klang, auf den Punkt gebracht.

Fazit

Das Yamaha YCM705 ist eine wirklich gutes Großmembran-Kondensatormikrofon mit fester Nierencharakteristik, das sich wegen seines überzeugenden Klangs auf solidem Mittelklasse-Niveau für Ein- und Aufsteiger nachhaltig empfiehlt.

HerstellerYamaha
Vertriebhttps://yamaha.com
TypGroßmembran-­Kondensatormikrofon
Gewicht671 g
FarbeSchwarz/Weiß
Abmessungen219 x 55 mm (L x B)
Preis [UVP]399 Euro
Kapseltyp1 Zoll Doppel­membran-Kapsel
RichtcharakteristikNiere
PAD0/−10/−20 dB, ­ umschaltbar
Hochpassfilter80/160 Hz, 6 dB/Okt., ­umschaltbar
Frequenzbereich20 Hz – 20 kHz
Grenzschalldruckpegel (max. SPL in dB) 120/130/140 dB (PAD 0/−10/−20 dB)
Empfindlichkeit24 mV/Pa
Eigenrauschen12 dB-A
SpeisespannungP48
AnschlussXLR
LieferumfangMikrofonspinne mit Ersatzgummis, Popschutz und Schutztasche
KategorieMittelklasse
Ausstattungsehr gut
Bedienungsehr gut
Verarbeitungsehr gut
Klangsehr gut
Gesamtnotesehr gut