Featured image for “Test: Yamaha URX44C – Das „X“  macht den Unterschied”
Februar 19, 2026

Test: Yamaha URX44C – Das „X“  macht den Unterschied

Nachdem sich Steinberg von seiner ­Hardware-Linie verabschiedet hat, um sich künftig ­ausschließlich auf die ­Produktion von Software zu konzentrieren, war es für den ­Steinberg-Eigentümer Yamaha nur konsequent, die bisherige Linie an ­Steinberg-Audio-Interfaces nun unter eigenem Namen ­herauszubringen. Wir nehmen dies zum Anlass, einmal die neuen Yamaha-­Geräte – hier in Form des Modells URX44C – ­anzuschauen, und einem prüfenden Blick zu unterziehen.

von Georg Berger

Anfang Oktober 2025 hat Steinberg verkündet, sich künftig nur noch auf das Entwickeln und die Pflege von Software zu konzentrieren. Die bisherige Hardware-Sparte, bestehend aus Audio-Interfaces und Controllern, wird ab sofort unter der Ägide des Haupteigentümers Yamaha stehen. Obwohl: So neu ist das jetzt nun auch nicht, denn obwohl vorher „Steinberg“ auf den Geräten stand, wurden sie doch die ganze Zeit von Yamaha entwickelt und produziert. Man könnte mit dieser Unternehmensentscheidung also nun sagen, dass die quasi verlorenen Söhne jetzt heimkehren. Neben den kompakten Einsteigermodellen der UR-MK3-Serie sind auch die beiden professioneller ausgerichteten Interface-Modelle URX22C sowie unser Testkandidat, das sechskanalige URX44C, einem Yamaha-Relaunch unterzogen worden. Um es vorweg zu nehmen: Außer der neuen Modellbezeichnung – das „X“ macht den Unterschied – einer durchgängig in schwarz gewandeten Gehäuseoberfläche sowie dem geänderten Firmenlogo hat sich in Sachen Hardware und Hardware-Ausstattung nichts geändert. An Bord sind nach wie vor die in Class-A Technik ausgelegten D-Pre-Vorverstärker und es wird via USB 3.0 mit maximal 32 Bit integer Wortbreite bis hinauf 192 Kilohertz gewandelt. Das Fast- Alleinstellungsmerkmal, ein integrierter DSP zum Berechnen von Effekten innerhalb des Interface, ist ebenfalls weiterhin an Bord. Neu ist hingegen ein Update der für die URX-Interfaces – und selbstverständlich auch der „alten“ Steinberg-Wandler – notwendigen Steuersoftware, die etwas kryptisch „dspMixFx“ getauft wurde, um der Mächtigkeit dieser Anwendung Rechnung zu tragen.

Die Rückseite zeigt sich überschaubar: Neben den Eingängen fünf und sechs für Signale mit Line-Pegel finden sich insgesamt drei Stereo-Ausgänge, ein Pärchen MIDI-Buchsen sowie der USB-C- und Netzgeräte-Anschluss.

Aus URC wird URX

Doch eins nach dem anderen. Wer das URX44C käuflich erwerben will, zahlt knapp 400 Euro. Außer einem Netzgerät und einem USB-A-auf-USB-C-Kabel findet sich ein umfangreiches Software-Paket im Lieferumfang. So ist nach wie vor die Volks-DAW Cubase von Steinberg in der AI-Einsteigerversion mit dabei, ebenso wie das Pendant für Apples iPad namens Cubasis. Die DSP-Effekte gibt’s auch als VST3-Plug-ins in Form des „Basic Effect Pack“ und schlussendlich sind auch noch eine Reihe virtueller Klangerzeuger und Sample-Librarys in Form des „Steinberg Plus“ Software-Pakets inkludiert. Ganz neu ist die Steinberg Mixkey-App, eine Mixer-Software, die sich gezielt auf die Bedürfnisse fürs Streaming und die Content Creation konzentriert. Zum Zeitpunkt des Tests ist Mixkey übrigens noch als Betaversion kostenlos erhältlich. Auf den ersten Blick ist das ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Der Praxis- und Hörtest wird zeigen, ob dem wirklich so ist.

Bevor wir uns das Software-/Mixer-Update näher anschauen, sei erst noch ein Blick auf die Hardware erlaubt. Wie gehabt besticht das URX44C durch eine robuste Verarbeitung. Da sitzt alles bombenfest und mit 1,5 Kilogramm ist es sogar verhältnismäßig schwer. Die Front wird von vier Combo-Buchsen dominiert. Rechts daneben finden sich vier Drehregler zum separaten Einpegeln der dahinter werkelnden Preamps. Mit 60 dB Verstärkung ist das URX44C recht ordentlich aufgestellt. Leise Bändchen-Mikrofone und unempfindliche dynamische Mikrofone dürften unter Umständen aber eine Herausforderung darstellen. Aber mit dieser Auslegung ist Steinbe…, ääh, Yamaha nicht alleine. Die Phantomspannung wird paarweise via Druckschalter für die Kanäle eins und zwei sowie drei und vier aktiviert. LEDs geben Auskunft über den Status. Übersteuerungen werden lediglich mit einer Peak-LED angezeigt. Das ist im Vergleich zu manch einem Mitbewerber recht überschaubar ausgestattet. Aber damit ist Yamaha ebenfalls nicht allein. Wichtig: Die ersten beiden Buchsen besitzen im Klinkenteil eine Hi-Z-Empfindlichkeit zum Anschluss elektrischer Instrumente. Die Kanäle drei und vier sind für herkömmliche Line-Pegel ausgelegt. Sehr schön und noch längst nicht alltäglich: Zwischen dem großen Monitor-Lautstärkeregler und den Preamp-Gain-Reglern sind zwei separat regulierbare Kopfhörer-Anschlüsse integriert. Zusammen mit den Möglichkeiten der oben erwähnten Mixer-Software lässt sich für Produzent und Musiker somit eine äußerst komfortable akustische Arbeitsumgebung realisieren. Die Rückseite enthält acht servosymmetrische Klinkenbuchsen – Eingänge fünf und sechs, der Haupt-Ausgang zum Anschluss von Monitoren sowie je ein Stereo-Pärchen für zwei zusätzliche Line-Outs, um etwa einen Mixer, einen dedizierten Kopfhörer-Verstärker oder ein Hardware-Effektgerät anzuschließen. Ein Pärchen fünfpoliger-MIDI-Buchsen sowie die USB-C- und der Netzgeräteanschluss schließen die Ausstattung auf der Rückseite ab.

Die dspMixFx-Anwendung erlaubt das Einsetzen der via integriertem DSP berechneten Effekte sowie das Abmischen von drei Mixen: Über die drei Icons oben links lässt sich ein Mix für jeden der beiden Kopfhörer-Ausgänge sowie für das Streaming ins Internet realisieren. Der DAW-Kanal führt das Signal des Sequenzers, Music und Voice können Betriebssystem-intern Audiosignale führen, etwa von einem Video-Player oder einem Computerspiel.

Effekte via internem DSP einsetzbar 

Beim Erstaufruf der dspMixFx-Software blicken wir auf ein graphisch eher schlichtes, um nicht zu sagen rustikal wirkendes, GUI. Vergleichbare Anwendungen sehen da schon eleganter und in Sachen Design schicker aus. Dafür sind aber sämtliche Bedienelemente groß und deutlich abgebildet, sodass alles auch aus der Entfernung immer gut erkennbar ist. Punkt für Yamaha. Über vertikal angeordnete Icons  rechts oben im Dialog lassen sich drei Mixer-Umgebungen – je eine für die Kopfhörer-Kanäle und ein Streaming-Kanal – über Reiter aufrufen. Für den geneigten Podcaster und Live-Streamer verfügt das URX44C auch über eine Loopback-Funktion. In der Vorversion musste das noch via Button aktiviert werden. In der neuen Software wird dies nun über ebenjenen Streaming-Mixer-Dialog erledigt. Neben den sechs Eingangskanälen gibt es drei Returns in Form des „DAW“-, „Music“- und „Voice“-Kanalzugs. DAW führt erwartungsgemäß das Ausgangssignal des Sequenzers, Music und Voice sind beim Installieren der Treibersoftware als dezidierte Audio-Kanäle ins Betriebssystem integriert worden. Music führt dabei Audiosignale von Playern, Computerspielen und mehr. Der Voice Kanal kann das gleiche, er kann aber auch zum Einspeisen von Signalen via Smartphone dienen, wenn etwa das Smartphone-Signal via Bluetooth ins Betriebssystem und von dort aus über den speziellen Voice-Kanal in die dspMixFx-Software geleitet wird. Zwei virtuelle Streaming-Ausgänge erlauben schließlich, den Mix aus Eingängen, DAW, Music und Voice wieder in der DAW aufzunehmen oder etwa an Internet-Streaming-Software wie das OBS Studio zu schicken. Soweit so gut.

Insgesamt vier Amp-Simulationen sind an Bord, die in Sachen Clean-, Crunch- und Distortion-Sounds keine Wünsche offen lassen.

Sehr gut klingende Effekte 

Die Channelstrips sind identisch aufgebaut. Für die sechs Inputs stehen zwei Slots zum Einbinden der DSP-Effekte zur Verfügung. Zudem gibt es eine Phasenumkehrfunktion, ein Hochpass-Filter (nur Kanäle 1 – 4) – einstellbar in 20-dB-Schritten zwischen 40 bis 120 Hertz – sowie die Möglichkeit zwei Kanäle zu einem Stereokanal  zu verkoppeln. Über Buttons rufen wir das GUI der Effekte auf, wir können sie auf Bypass und bei Bedarf auch in den Aufnahmeweg schalten. Ein Sendweg erlaubt das anteilige Abzweigen des Signals auf den REV-X-Effekt, der mit drei Hall- und einem Delay-Algorithmus aufwartet. Im Streaming-Mixer gibt es einen dritten Effekt-Slot über den sich in den Eingängen wahlweise ein Noise Gate oder ein Kompressor einsetzen lassen. In die drei Return-Kanäle kann hingegen ein Ducker insertiert werden. Wichtig zu erwähnen ist, dass der integrierte DSP seine Grenzen hat und irgendwann eine Meldung aufpoppt, dass die Leistungsgrenze erreicht ist. So können wir im Test zehn Effekte einsetzen und dann ist Schluss. Es sollte also unter Umständen klug damit gehaushaltet werden. Nächste Besonderheit: Der Sendweg für den REV-X-Hall lässt sich nur auf einen der drei Mixer routen und der zweite Kopfhörer-Kanal/Anschluss lässt sich per Button alternativ auch auf den ersten oder den Streaming-Kanal routen.

Vorteil Yamaha/Steinberg: Die Einstellung und Bedienung des URX44-C kann bequem über die Inspektor-Leiste der Cubase-DAW erfolgen. Das ist nicht selbstverständlich.

Loopback mit DAW, Music und Voice

Im Hör- und Praxistest nehmen wir als erstes die internen DSP-Effekte in Ohrenschein. Die Gitarren-Amp-Simulationen können dabei durchaus überzeugen. Die Clean- und Drive-Emulationen schließen wir sogleich in unser Herz. Erstgenannter Amp verfügt über einen schaltbaren Chorus – Roland Jazz-Chorus lässt grüßen – und wer mag kann den Sound auch dort gehörig anzerren. Die Drive-Simulation erlaubt die Auswahl aus sechs unterschiedlich klingenden Amps, die allesamt mit ganz eigenem Charakter aufwarten und im Test am meisten Spaß gemacht haben. Die Crunch- und Lead-Varianten tun hingegen das ordentlich, was sie in ihrer Bezeichnung verheißen. Auffällig: Beim Insertieren der Amp-Simulationen geht dies mit einem gehörigen Lautstärkesprung einher. Überdies – OK, verzerrte Amps tun das von Haus aus – ist ein doch prominentes Rauschen hörbar. Yamaha hat in dem Fall gut getan, den Simulationen eine Gate-Funktion zu spendieren, um dem Herr zu werden. Weiter geht’s mit dem „Sweet Spot Morphing Channel Strip“, einer Kombination aus Dreiband-EQ und Kompressor. Während der Kompressor-Teil mit einem schalt- und einstellbaren Sidechain und Kompressionsknie aufwartet, gibt’s im EQ  lediglich Shelf-Filter im Bass und den Höhen sowie ein parametrisches Mittenband. Chirurgische Klangbearbeitungen sind damit nicht möglich, aber auch nicht beabsichtigt.  Der Clou: Über einen Morphing-Regler lässt sich dynamisch und gefühlvoll auf die zuvor gemachten Einstellungen beider Effekte einwirken. Im Test klingen beide Studio-Effekte ebenfalls sehr gut und verrichten sehr gute Dienste. Das Morphing liefert uns auf unkomplizierte Weise eine reichhaltige Palette an Sounds. Gerade Einsteiger werden damit rasch zum Ziel kommen. Die Pitch FX, REV-X, Kompressor, Noise Gate und Ducker Effekte sind alte Bekannte, die uns schon im Test der Kompakt-PA STAGEPAS 200 (Test in Ausgabe  03/2023) und des Yamaha AG 08 Pults (Test in Ausgabe 05/2023) begegnet sind und hier wie dort überzeugen konnten und können.

Abseits davon muss das URX44C im Hörtest auch ohne Zutun interner Effekte zeigen, was es kann. Einmal mehr kommt zum Vergleich das gute alte, teutonisch-nüchtern klingende Fireface 400 von RME zum Einsatz. Das Ergebnis ist durchweg überzeugend. Unabhängig, ob es sich um Mikrofonaufnahmen oder um Aufnahmen elektrischer Instrumente handelt, das URX44C ist in Sachen Auflösung exzellent aufgestellt und kann dem Fireface in dieser Disziplin das Wasser reichen. Signale fängt das Yamaha-Gerät akkurat und ohne jegliche Verfärbung ein. Doch nach intensivem Hören muss  das URX44C dem doppelt so teuren Fireface in Sachen Plastizität und Körperhaftigkeit die Krone überlassen. Die RME-Aufnahmen klingen am Ende dann doch immer eine Spur griffiger und dreidimensionaler. Doch das mindert den rundum sehr guten Eindruck, den wir vom URX44C gewonnen haben nur unwesentlich.

Fazit

Ganz gleich ob nun Yamaha oder vorher Steinberg auf dem Gerät prangt: Yamaha weiß, wie man sehr gut klingende Audio-Interfaces baut. Mit dem integrierten DSP zur internen Berechnung von Effekten versteht es Yamaha zudem, ein günstiges Audio-Interface mit einem Alleinstellungsmerkmal auszustatten, das für den einen oder anderen durchaus attraktiv sein kann. Mit der flexibel ausgestatteten dspMixFx-Software erhöht sich schließlich auch der Komfort in Sachen Abhören und mithilfe des neuen Streaming-Mixer-Dialogs sind Loopbacks und Content-Produktionen fürs Internet ein Kinderspiel. Daumen hoch in allen Punkten.

HerstellerYamaha
Vertriebhttps://yamaha.com
TypUSB Audio-Interface
Gewicht1,5 kg
FarbeSchwarz
Abmessungen252 x 47 x 159 mm (B x H x T)
Preis [UVP]380 Euro
SystemvoraussetzungenAb Windows 10, ab macOs 14
Samplingrate44,1 – 192 kHz, 16 – 32 Bit integer
ComputerschnittstelleUSB-C (3.0)
StromversorgungNetzgerät, USB-Power
Eingänge4x Combo (2x Hi-Z Kanal 1+2), 2x 6,3 mm Klinke servosym.
Ausgänge2x 6,3 mm Klinke servosym. (Main out)
MIDI1x 5-Pol MIDI In&Out
Sonstige Anschlüsse4x 6,3 mm Klinke servosym. (2x stereo Line out)
Kopfhörer2x 6,3 mm Stereoklinke Bedienelemente 7 Drehregler, 2 Druckschalter, 1 Schiebeschalter
Anzeigen7 Status LED
LieferumfangInstallationsanleitung, Netzgerät, USB-Kabel, Cubase AI, Cubasis LE (für iPad), Basic FX Suite (Hall, Channelstrip, virt. Gitarren-Amp Simulation), Steinberg plus (Virtuelle Instrumente + Sounds/Loops)
BesonderheitenHall, Echo, Ducker, Kompressor, Gitarren-Amp und Channelstrip lauffähig via on-Board-DSP oder als VST3-Plug-in, Loopback-Funktion,  32 Bit integer Auflösung, nahtlose Integration der ­Audio-Interface-Bedienung in Cubase
KategorieMittelklasse
Ausstattungsehr gut – überragend
Bedienungsehr gut
Verarbeitungsehr gut
Klangsehr gut – überragend
Gesamtnotesehr gut – überragend