
Zoom erweitert sein Portfolio an kompakten, mobilen Recordern für Podcaster. Nach dem Modell P2 schickt es nun den PodTrak P4next ins Rennen um die Gunst der Creatoren. Mit vier Ein- und Ausgängen erweitert es die Aufnahme- und Einsatzmöglichkeiten und wartet zudem mit weiteren willkommenen Features auf. Dabei gilt: Lasst Euch nicht von der vermeintlichen Niedlichkeit des Gerätes täuschen, denn das Kistchen hat es faustdick hinter den Ohren.
von Georg Berger
„Ach Gott, wie niedlich!“, schallte es aus der anderen Ecke des Büros, als ich den neuen Zoom PodTrak P4next Recorder auspackte. In der Tat: Ebenso wie der zweikanalige PodTrak P2 (Test in Ausgabe 04/2025) wartet auch dieses Modell mit bemerkenswert kompakten Dimensionen auf, um dem ambitionierten Podcaster und Creator im Mobil-Einsatz das Leben künftig in mehrfacher Hinsicht deutlich leichter zu machen. Konzentrierte sich das P2 auf USB-Mikrofone und das berühmte Vier-Augen-Gespräch, trumpft das P4next jetzt mit vier XLR-Eingängen und gleich vier Kopfhörer-Ausgängen auf, um kleine Diskussionsrunden und/oder Interviews akkurat einzufangen. Damit nicht genug, verfügt es auch über vier Sound-Pads, mit denen sich ad-hoc Jingles einfliegen lassen und dank Mix-Minus-Funktion können auch Smartphone-Gespräche ohne Probleme eingebunden werden. Das sind aber nur die wichtigsten Features dieses, von Zoom selbstbewusst als „Instant Portable Video/Podcast Studio“ betitelten, Winzlings. Um eines vorneweg zu nehmen: Das rund 200 Euro kostende P4next ist ein Paradebeispiel für das „Size doesn‘t matter“-Diktum. Denn obwohl es wie ein Spielzeug daherkommt, wartet es mit vielfältigen Einstellmöglichkeiten auf. Rein konzeptionell erinnert es an Mackies DLZ Creator Pult (Test in Ausgabe 06/2023), das ebenfalls für eine Vierer-Diskussionsrunde ausgelegt ist und über Sound-Pads verfügt, aber durch seine Dimensionen und Features und umfangreichere Ausstattung rund viermal soviel wie das P4next kostet. Doch genug der Vergleiche, schauen wir uns den neuen Zoom-Kandidaten einmal näher an:
Die Vier machts: vier In-/Outputs, vier Sound-Pads

Das Gerät nimmt in etwa den Platz von zwei direkt nebeneinander liegenden Gitarren-Effektpedalen ein. Ebenso wie das Zweier-Modell ist der P4next im gleichen robusten Kunststoff mit rutschfesten Gummiflächen ausgestattet. Sämtliche Anschlüsse sind bombenfest im Gerät verankert und versenkt. Da wackelt rein gar nichts, was sehr gut ist. Mit 300 Gramm Kampfgewicht ist es dennoch sehr leicht und sollte im Einsatz schon besonders gelagert sein, um es nicht durch falsche Bewegungen unachtsam vom Tisch zu fegen. Die XLR-Eingänge sind auf der Kopfseite versammelt, die Kopfhörer-Buchsen auf der Fußseite. Die linke Flanke hält den Schacht zur Aufnahme der MicroSD-Speicherkarte bereit sowie zwei USB-C-Buchsen. Die erste dient ausschließlich zur Stromversorgung via Netzgerät oder Powerbank, die zweite führt bidirektional Datensignale vom P4next in mobile Kommunikationsgeräte und/oder den Rechner. Ein Schiebeschalter aktiviert auf einen Schlag die Phantomspannung in allen vier Eingängen. Die rechte Flanke besitzt ebenfalls einen Schiebeschalter, der den vierten Eingang wahlweise zwischen XLR oder ein angeschlossenes Smartphone umschaltet. Dieses lässt sich an die TRRS-Buchse auf der gleichen Seite via Kabel anschließen. Die zweite, ungleich kleinere Buchse dient zum Anschluss des für rund 60 Euro optional erhältlichen Bluetooth-Adapters BTA-2, mit dem sich Signale vom und zum Smartphone drahtlos übertragen lassen. Ein Blick auf die Unterseite zeigt auch beim P4next ein Batteriefach so dass es sich völlig autark betreiben lässt. Überraschend: Anders als im P2 können hier nur zwei AA-Batterien eingesetzt werden, was wohl der im Gerät verbauten Technik geschuldet ist. Wer herkömmliche Alkaline-Batterien einsetzt und dabei vier Mikros mit Phantomspannung einsetzt, kann – so der Hersteller – das P4next für rund 20 Minuten betreiben. Das ist selbstverständlich nicht sehr üppig. Aber vier Batterien hätten den berühmten Kohl da auch nicht fetter gemacht. Ohne Phantomspannung verspricht Zoom eine Laufzeit von 3,5 Stunden. Mit anderen Batterietypen erhöht sich die Laufzeit jedoch noch einmal. Alles in allem geht das aber in Ordnung. Wer völlig autark arbeiten will, setzt eben eine Powerbank ein.

Das kleinste Podcast-Studio ever!?
Wo wir gerade bei den Leistungsdaten sind, schauen wir auch gleich noch auf die anderen Eckdaten: Gewandelt wird erwartungsgemäß und ausschließlich mit 48 kHz bei 24 Bit. MicroSD-Karten können bis maximal zwei Terabyte verwendet werden. Es kann wahlweise direkt ein Stereomix sämtlicher anliegender Signale aufgenommen werden oder im Multitrack-Modus wird für jedes Signal ein eigenes File angelegt. Das betrifft nicht nur die vier Mikrofon-Inputs, sondern auch die vier Soundpads, das eventuell eingespeiste Smartphone-Signal oder Signale via USB. Insgesamt sind dabei zwölf Eingänge und zwei Ausgänge adressierbar. Sehr schön: Hatten wir beim P2 noch das Fehlen eines dedizierten ASIO-Treibers bemängelt, ist dies beim P4next nun Geschichte. Somit lässt sich der Zoom-Recorder auch als Audio-Interface ohne jedwede Abstriche einsetzen. Bravo.
Widmen wir uns als nächstes der Ausstattung der Oberseite und der dort einstellbaren Features: Die untere Hälfte wird von Drehreglern zum separaten Einpegeln des Mikrofon-Gains und der Kopfhörer-Lautstärke beherrscht. Letzteres ist wahrlich nicht selbstverständlich und verdient ein Sonderlob. Mute-Tasten erlauben zudem das Stummschalten der Mikrofone. Die obere Hälfte versammelt den On-, Record- und Play/Pause-Button, die für sich selbst sprechen. Darunter sind links und rechts je vier kleine hinterleuchtete Drucktaster versammelt, die ein 128 x 64 Pixel großes Zweifarb-LC-Display umrahmen. Die Taster auf der linken Seite sind die Sound-Pads und dienen zum Abfeuern der Jingles. Eine zweite Bedienebene ermöglicht zudem das Ausführen weiterer Transport-Funktionen bei der Wiedergabe. Die Taster auf der rechten Seite erlauben das Ausführen der Tone-, Compressor- und Geräuschunterdrückungs-Funktion sowie zum Aufrufen des Einstellungs-Menüs. Ist dieses geöffnet, lassen sich mit der Tone-, Comp- und Noise-Reduction-Taste durch die Menüpunkte navigieren, Werte verändern und Einstellungen bestätigen.

Pfiffige Funktionen für Podcaster an Bord
Sämtliche Einstellmöglichkeiten jetzt vorstellen zu wollen, würde den Rahmen dieses Tests bei Weitem sprengen. Dennoch sei auf das eine oder andere pfiffige Feature hingewiesen. Die Sound Pads können verschiedene Abspiel-Modi (momentan, One-Shot, Loop) einnehmen, über einen eigenen Ordner auf der SD-Karte können Aufnahmen nach eigenem Gusto eingefügt und den Tasten zugeordnet werden. Und wer mag, kann sogar direkt Audio auf die Sound-Pads aufnehmen. Separat für jedes Mikrofon steht ein schaltbarer Locut sowie Limiter bereit und über die File List können wir durch die Aufnahmen navigieren und sie abspielen, umbenennen oder löschen. Sehr schön: Wie auch schon beim P2 und den Mobil-Recordern H2 Essential (Test in Ausgabe 01/2025) und H5studio (Test in Ausgabe 03/2025) verfügt auch der P4next über eine schaltbare Sprachsteuerung. Außer Englisch ist keine andere Sprache wählbar, aber immerhin. Ist der P4next am Rechner angeschlossen, können wir über die USB-File-Transfer-Funktion Daten zwischen Rechner und der SD-Karte im Zoom-Recorder hin- und herschicken. Im USB-Audio-Interface-Menüpunkt kann der Anwender die Wiedergabe-Gesamtlautstärke über USB in einem Rahmen von -60 bis +10 dB einstellen sowie bestimmen, ob nur ein Stereo-Signal oder Einzelspuren übertragen werden sollen. Zudem lässt sich auch die Mix-Minus-Funktion aktivieren, um Feedbacks respektive Echos zu vermeiden, wenn Interviewpartner via Smartphone in die Aufnahme integriert werden. Alles in allem verfügt der P4next damit über die wichtigsten Features, um reinrassige Podcasts mit allen Schikanen zu fahren. Sicherlich, zusätzliche Features wie, Echo, Hall oder ein Ducking-Gate zum automatischen Absenken der Lautstärke beim Einsatz von Sprache gibt’s zwar nicht, hätte die Bedienung des P4next aber auch unnötig verkompliziert.
Im Hör- und Praxistest müssen wir beim ersten Einschalten Datum und Uhrzeit einstellen. Das ist wichtig, weil ebenso wie sein kleiner Bruder auch der P4next die Dateibezeichnungen nach Datum und Uhrzeit erstellt. Anschließend ist der Check und die Formatierung der SD-Karte und – sofern nötig – das Einstellen der Sprachsteuerung nötig. Danach ist der P4next für jegliche akustischen Schandtaten bereit. Ab Werk ist übrigens eine kleine Auswahl an Sounds und Jingles auf die Sound Pads geroutet. Das Einpegeln der Mikrofone ist rasch und vor allem gefühlvoll erledigt. Sehr schön: Die Preamps verfügen über satte 70 dB an Gain-Reserven. Da sollten selbst die zickigsten dynamischen Mikrofone ordentlich verstärkt werden. Im Test mit Kondensator-Mikrofonen reicht schon eine Einstellung bis zur Elf-Uhr-Position. Nicht schlecht. Einziger Wermutstropfen ist das Zweifarb-Display, das uns so rein gar keine Rückmeldung gibt, wenn das Mikrofon zu „heiß“ eingestellt ist. Da gilt es, auf die eigenen Ohren zu vertrauen. Abseits dessen geraten die Einstellungen dank Sprachsteuerung, aber primär durch das Display leicht und problemlos. Die Anzeige ist zwar recht winzig. Dennoch sind sämtliche Einstellungen und Werte gut lesbar. Bei der Wiedergabe wird sogar eine Wellenform angezeigt, die mal gar nicht so grobschlächtig daherkommt. Die Navigation durch die Menüs und die Einstellungen mithilfe der Tone-, Noise- und Comp-Tasten sind rasch verinnerlicht. OK, irgendwie erinnert das an die gruseligen Urzeiten digitaler Synthesizer, deren überbordende Zahl an Parametern ebenfalls nur mithilfe von ein paar Tasten und einem Zweizeilen-Display eingestellt werden mussten. Doch der Satz an Einstellungen ist im P4next rasch verinnerlicht, zumal eine Vielzahl davon – etwa die Display-Helligkeit oder die Lautstärke der Sprachsteuerung – nur einmal bemüht wird.

Nützliche Features zur Soundformung an Bord
Im Hörtest fertigen wir eine Reihe von Sprachaufnahmen mit und ohne On-Board-Effekte an. Last but not Least vergleichen wir die rohen, also effektlosen, P4next-Aufnahmen mit denen des Fireface 400 von RME. Das Ergebnis fällt, eingedenk der Erfahrungen mit dem P2, erwartungsgemäß aus und kann durch die Bank überzeugen. Sicherlich, in Sachen Auflösung und Plastizität ist der P4next dem Fireface 400 merkbar unterlegen. Dennoch wandelt er Signale akkurat, wobei die Sprachsignale eigentümlich angenehm und weder nasal noch spitz daherkommen. Die in den Mikrofon-Inputs bereitgestellten Effekte – Locut, Limiter – verrichten unmerklich und effizient ihren Dienst. Da färbt rein gar nichts. Wie auch schon beim P2 sind wir auch im P4next von der Wirksamkeit des schaltbaren Kompressors beeindruckt. Er rückt Signale deutlich nach vorne und sorgt für die nötige „Punch-right-in-the-Face“-Aufmerksamkeit. Ist er deaktiviert, klingt das Signal zwar ungleich räumlicher, aber auch kleiner und unscheinbarer. Er wirkt wie ein schaltbarer Nahbesprechungseffekt. Ebenso wirkungsvoll geht auch die KI-basierte Geräuschunterdrückung ans Werk, die auch im Test mit dem P4next überzeugen kann. Hier wie dort klingt es bei aktivierter Unterdrückung während der Aufnahme zwar eigentümlich höhenreduziert. Auf der Aufnahme ist aber nichts davon zu hören. Auch nicht von den zuvor noch existierenden Umgebungsgeräuschen. Einzig die schaltbare Tone-Funktion kann uns, ebenso wie seinerzeit im Test des P2, nicht so recht überzeugen. Ist sie aktiviert, klingen die Signale eigentümlich verschlankt. Höhen und Bässe sind reduziert und der Mittenbereich kommt nach vorne. Das klingt zwar nicht unangenehm, doch insgesamt tönt es doch recht dünn und unscheinbar. Dafür lässt sich dann mit dem schaltbaren Kompressor gegensteuern. Beide Effekte in Kombination können uns am Ende dann doch wieder versöhnen.

Fazit
Zoom stellt mit dem PodTrak P4next die vielleicht kleinste Podcast-Produktionsumgebung vor, die es zurzeit am Markt gibt. Obwohl eher wie ein Spielzeug scheinend, verfügt es über alle relevanten Features, um live und im Studio amtliche Podcasts und Interviews zu produzieren. Am Ende stimmen dann auch noch Preis und Klang. Wer rasch und ohne Schnörkel in jeder Lebenslage Content produzieren will, dem sei der PodTrak P4nexte wärmstens empfohlen.
PodTrak P4next
| Hersteller | Zoom |
| Vertrieb | https://sound-service.eu |
| Typ | Podcast-Recorder |
| Gewicht | |
| Farbe | schwarz |
| Abmessungen | 126 x 120 x 40 mm (B x T x H) |
| Preis [UVP] | 199 Euro |
Technische Daten
| Speichermedium | Micro SDHC/SDXC |
| Maximalkapazität Speichermedium | 2 TB |
| Max. Abtastrate | 48 kHz, 24 Bit |
| Stromversorgung | 2 AA-Batterien (je nach Betriebsart und Batterietyp zwischen ca. 20 Minuten bis 8,5 Stunden Laufzeit), separater USB-C-Anschluss für externes Netzgerät (5 Volt), Powerbank |
| Anzahl Spuren | 1x stereo, oder max. 12 Inputs und 2 Outputs |
| Anzahl Spuren für gleichzeitige Aufnahme | max. 12 |
| Eingänge | 4x XLR |
| Ausgänge | |
| Eigenrauschen | 8 dB-A |
| Sonstige Anschlüsse | |
| Anzeige | 128 x 64 Pixel LC-Display, sämtliche Taster hinterleuchtet |
| Funktionen | |
| Bedienelemente | 8 Drehregler, 8 Taster, 15 Taster, 2 Schiebeschalter |
| Lieferumfang | Aufbewahrungsbeutel, Garantiekarte |
| Besonderheiten | Drahtlose Smartphone-Ansteuerung via optional erhältlichem BTA-2 Bluetooth-Adapter (60,- €), Abfeuern von gespeicherten Samples/Jingles über vier Sound-Pad-Taster, Gerät lässt sich auch als Audio-Interface mit Computer, Tablet, Smartphone einsetzen, integrierte Sprachsteuerung, Aufnahme wahlweise als Stereo-Mix oder als Mono-Einzeldateien |
Bewertung
| Kategorie | Economyklasse |
| Ausstattung | sehr gut – überragend |
| Bedienung | sehr gut – überragend |
| Verarbeitung | sehr gut |
| Klang | sehr gut – überragend |
| Gesamtnote | sehr gut – überragend |

