
Eine schlichte Mono-DI-Box für rund 230? Das darf schon mal sein – wenn so ein Kistchen aus dem Hause Rupert Neve Designs stammt.
Text und Fotos von Harald Wittig
Eine aktive Mono-DI-Box ohne besondere Features – genau das scheint die RDNI-M von Rupert Neve Designs zu sein. Denn aufs erste Hinsehen,bietet das handtellergroße Kistchen nicht viel: Wir sehen einen DI-Klinkeneingang, einen THRU-Klinkenausgang sowie den obligatorischen XLR-Ausgang. Die frontseitige LED ist mit „48V Power“ instruktiv beschriftet und alle wissen: Wir haben es offenkundig mit einer aktiven DI-Box zu tun.
Allerdings stammt die aus dem Hause Rupert Neve Designs und ergänzt das Angebot der bereits zu den modernen Klassikern zu zählenden RNDI-Kisten, als da wären RNDI, RNDI-S und RNDI-8. Die werden in der Szene tatsächlich als kleine Klangwunderkistchen gefeiert. Getreu dem Motto: Wenn es um die optimale Aufbereitung von nackten DI-Signalen geht, muss es eine DI-Box von Rupert Neve Designs sein. Unser Prüfling teilt – wie wir gleich sehen werden – wichtige Design- und Bauelemente mit den bereits etablierten Geschwistern, verzichtet dafür aber auf den genialen „Speaker Mode“ der RNDI. Dafür kostet die RNDI-M auch nur die Hälfte. Doch befassen wir uns jetzt näher mit der DI-Box.

Die RNDI-M wird in den USA gefertigt, trägt also nicht nur den guten Namen des berühmten Hauses, sondern entstammt eben diesem. Das Kistchen mit seinem Stahlgehäuse macht einen ausgesprochen robusten Eindruck und verspricht Langzeitstabilität. Das Design ist schlicht, aber durchaus elegant. So gefällt uns die bei aktivierter 48 Volt-Phantomspannung des Endgeräts hellblau glimmende LED. Da wir es mit einer aktiven DI-Box zu tun haben, ahnen alle Kundigen, was im Inneren los ist: Da werkelt nämlich eine diskret aufgebaute Class A-FET-Eingangsstufe welche über die externe 48 Volt-Phantomspannung gespeist wird. Die wurde von Rupert Neve Designs entwickelt und entspricht exakt eben jener, die bereits bei den anderen DI-Boxen der RNDI-Reihe für den hochgelobten Klang gesorgt hat. Allerdings nicht alleine: Ein wesentlicher, also klangbestimmender Faktor ist der speziell gewickelte Ausgangsübertrager, der mit Fug und Recht den Namen „Custom-Transformer“ verdient. Er ist das Ergebnis von empirischen Untersuchungen, bei denen letztentscheidend die feinen Ohren der Entwickler und Kunden waren. So gewährleiste die auf den Rupert Neve-Transformatoren basierende Schaltung einen ungewöhnlich flachen Frequenzgang im Bereich von 28 Hertz bis 60 Kilohertz, zugunsten eines besonders natürlichen, signaltreuen Klanges. Obschon das etwas ungenau dargestellt ist: Denn der Hersteller stellt klar, dass das spezielle Schaltungsdesign dem Eingangssignal Obertöne der Zweiten und Dritten Ordnung zugunsten eines musikalischen Klanges hinzufügt. Außen vor bleiben dafür die gänzlich ungewollten Übernahme-Verzerrungen, die das Signal mit der Beigabe ungerade Obertöne höherer Ordnung verderben könnte. Es geht also – bekanntermaßen typisch für Rupert Neve-Geräte – um die Aufbereitung, wenn Ihr so wollt: das Verschönern des nackten DI-Signals. Das muss nicht zwingend von einer/einem passiven E-Gitarre oder E-Bass kommen. Aufgrund des besonders hohen Eingangs-Headrooms von satten +20,5 dBu kann die kleine Kiste eine Vielzahl von Eingangssignalen verarbeiten – von Instrumenten über Keyboards, Drum Computern bis hin zu bereits aufgenommenem Material. All diese Quellen soll die RNDI-M dann mit dem Klang-Firnis à la Rupert Neve Designs den beständigen Glanz verleihen. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass die RDNI-M – wie ihre Geschwister – auch den tiefsten Basskeller aufzuschließen vermögen soll und tatsächlich bis fünf Hertz hinabreicht. Obenrum ist erst bei etwa 90 kHz Schluss.


Selbstverständlich haben wir es mit einem sehr hochohmigen Eingang von 2,2 Megaohm zu tun, sodass passive E-Gitarren und E-Bässe sich aufs Einstöpseln wohlfühlen werden. Die Ausgangsimpedanz beträgt hingegen weniger als 40 Ohm, sodass lange Leitungen/Kabelwege ohne Weiteres machbar sind – sehr gut für Studio- und Live-Betrieb gleichermaßen. Außerdem verspricht Rupert Neve Designs eine gleichbleibende Leistung des trafosymmetrierten Ausgangs bei jedem angeschlossenen Gerät. Damit hätten wir alle wesentlichen Merkmale der DI-Bos aus den USA abgedeckt. Mehr gibt es nicht, weswegen wir uns nunmehr der alles entscheidenden Frage widmen wollen: „Wie klingt die RNDI-M?“
Dafür haben wir verschiedene Instrumente mit der DI-Box verbunden und nacheinander unter Logic Pro aufgenommen: Eine passive Fender American Standard Stratocaster, einen aktiven Hohner JJ Bass sowie eine Cordoba GK Pro Flamencogitarre mit eingebautem Fishman-Tonabnehmer. Der Ausgang der RNDI-M ist mit unserem langjährigen Referenz-Preamp, dem Lake People Mic-Amp F355 verbunden, dessen Ausgangssignal diesmal ins Universal Audio Apollo X8 geht. Denn dessen HiZ-Eingang dient uns neben unserer passiven, eigens für professional audio angefertigten, gleichwohl passiven Klotz DI als Vergleichsgröße.
Beginnen wir mit den Bassspuren: Rupert Neve Designs haben einen eindrucksvollen Basssound versprochen und die kleine RNDI-M liefert davon in der Tat reichlich. Der Bass brummt schwärzer und satter in den tiefen Lagen, wobei ein besonderer Hochtonglanz für Stabilität und Kontur sorgt. Unsere Klotz mag es auch gerne dunkel, nicht ganz so tief und insgesamt weniger definiert, während der HiZ-Eingang des Apollo X8 im direkten Vergleich eher klinisch wirkt.
Die Fender über den Halstonabnehmer gespielt tönt dank der RNDI-M eine Spur vollmundiger, weniger drahtig als gewohnt. Das dürfte an der Tiefenkompetenz der US DI-Box liegen, wobei auch diesmal dieser gewisse Hochtonglanz ohrenfällig ist. Das ist diese gewisse Rupert Neve Designs-Klangsignatur, die viele zurecht so lieben und begehren – und die mit messgerätemäßiger Neutralität eigentlich nichts zu schaffen hat. Dagegen besorgt die Klotz nur eine Andickung des Gitarrenklangs, bliebt ansonsten aber klanglich blaß. Der HiZ-Eingang des Interface tönt am Neutralsten und – ums klar zu sagen – Langweiligsten.
Das gilt im Ergebnis auch für die Aufnahmen mit der Cordoba Flamencogitarre, der die RNDI-M mehr Körperhaftigkeit gibt, wobei der hinzugefügte Höhenschimmer bei diesem Instrument nicht nach unserem Geschmack ist. Hier gefällt der Universal Audio HiZ-Eingang am Besten, während der Klotz-Sound den – guten – dritten Platz im Hörtest belegt.
Alles in Allem bleibt also festzuhalten: Die RNDI-M überzeugt als klangveredelndes Wunderkistchen, das jedem Eingangssig-nal wohltut und das am Ende des Tages klangbesessene Menschen nicht mehr hergeben wollen.

Fazit
Die RDNI-M von Rupert Neve Designs erweist sich als klangstarke DI-Box, die wirklich jedes Eingangssignal zum Schönen aufbereiten kann und deswegen jeden Cent wert ist.
RNDI-M
| Hersteller | Rupert Neve Designs |
| Vertrieb | https://megaaudio.de |
| Typ | DI-Box |
| Preis [UVP] | 231 Euro |
Bewertung
| Kategorie | Oberklasse |
| Ausstattung | gut |
| Verarbeitung | sehr gut |
| Klang | sehr gut |
| Gesamtnote | sehr gut |

