
Von USB-Mikrofonen erwarten wir einfache Bedienung und Verlässlichkeit. Spezialist Samson hätte da ein neues Arbeitspferd anzubieten.
Text und Fotos von Harald Wittig
Das in den USA ansässige Unternehmen Samson Technologies (Samsontech) entwickelt seit seiner Gründung im Jahr 1980 Audiogeräte. Seinerzeit ging es den Jungunternehmern vor allem um Drahtlos-Mikrofone, inzwischen bietet Samson ein breites Sortiment von Consumer- und Pro Audio-Geräten an. Das Angebot teilt sich auf die drei Marken Samson, Hartke und Michael Kelly Guitars auf. Die für uns relevanten Produkte des Namens Samson decken ein sehr weites Feld: Neben einem umfangreichen Mikrofonangebot gibt es Studio-Monitore, Audiointerfaces, PA- und Drahtlos-Systeme sowie jede Menge praktisches Zubehör wie Ständer und Kabel – um nur zwei zu nennen.Die Marke Samson verbinden viele im weiteren Sinne Tonschaffende nicht zuletzt auch mit USB-Mikrofonen. Tatsächlich gehören die praktischen Schallwandler mit eingebautem USB Audiointerface oder Analog-Digital-Wandler von Samson Technologies zu den allerersten auf dem Markt: Das erste und dann sehr erfolgreiche Modell erblickte schon 2005 das Licht der Pro Audio-Welt. Heute bietet der Hersteller neun verschiedene Modelle an. Das allerneueste USB Mikrofon nennt sich Q9U, ist unser heutiger Testkandidat und gehört zur auch im Samson-Portfolio auf einen schnellen Blick überschaubaren Untergruppe der dynamischen USB-Schallwandler. Denn neben dem Neuzugang Q9U gibt es lediglich das mit rund 100 Euro recht günstige Q2U, das sich einen guten Ruf erspielt hat, hohen Praxiswert und überzeugenden Klang fürs Geld bieten soll. Das Q9U ist mit rund 240 Euro deutlich teurer, wird allerdings vom Hersteller auch als „professionelles Broadcast-Mikrofon“ beworben. Es soll also auch anspruchsvolle Anwender ansprechen und überzeugen. Wie fast alle Samson-Geräte wird auch das Q9U in China hergestellt – was an dieser Stelle nur der Vollständigkeit halber erwähnt sei. Unsere Einschätzung zur Qualität des Mikrofons folgt wie gewohnt im eigentlichen Testteil. Richtig. Wir wollen uns das neue Samson-Mikrofon sogleich ganz genau unter die Professional audio-Lupe nehmen.
Für beide Welten offen
Konstruktiv verbindet das Q9U wie sein Geschwisterchen Q2U die analoge und digitale Welt: Denn dank eines XLR-Ausgangs lässt sich das Mikrofon direkt an Preamps, Mischpulten oder Audio-Interfaces anschließen und im Verbund betreiben. Damit ist das Q9U ohne weitere Umstände in ein bestehendes Studio-Set up integrierbar – ganz gleich, ob es sich um kleinere Podcast- oder Home Recording-Studios oder größere Einrichtungen handelt. Findige Leser haben längst die Samson-Website aufgerufen und erkannt: Es gibt schon etwas länger des Q9X, das eben dies ebenfalls zu bieten hat und dem das Q9U wie ein Zwilling gleicht. Mit einem wichtigen Unterschied: Auch die vielen Kreativen der Podcaster-, Broadcaster- und Streamer-Szenen, die einfach nur ein verlässliches Mikrofon für die Erstellung ihres Contents suchen, kann das Q9U bedienen. Denn es verfügt über einen eingebauten 24Bit/96kHz-Wandler mit USB C-Funktionalität für den Betrieb mit Windows- und Apple-Rechnern sowie modernen mobilen Endgeräten mit USB C-Anschluss. Um potentielle Anwender nicht unnötig zu belasten, bedarf es keiner Treiber. Wir haben es mit einem echten Plug- und Play-Gerät zu tun. Ob damit gewisse Nachteile, zum Beispiel Latenzen verbunden sind, klären wir später.

Wie bereits in der Einleitung erwähnt haben wir es mit einem dynamischen Mikrofon zu tun. Als Tauchspulenmikrofon, wie diese Schallwandler auch bezeichnet werden, arbeitet es nach dem Induktionsprinzip: Die Bewegung einer Spule im Magnetfeld wird in elektrische Spannung umgesetzt. Wie alle anderen Tauchspulenmikrofone hat das Q9U eine Spule, die auf der Rückseite einer Membran angebracht ist. Sobald die Membran vom Schallwechseldruck in Schwingung versetzt wird – weil der Anwender beispielsweise hineinspricht -, führt diese Schwingspule die gleichen Bewegungen wie die Membran aus und taucht – Aha! – in das Magnetfeld eines Permanentmagneten ein. Der ist mit dem Kapselgehäuse fest verbunden. Mit ihren Bewegungen schneidet die Schwingspule die magnetischen Feldlinien des Magneten. Am Ausgang der Spule wird eine Wechselspannung erzeugt, welche der Spulenbewegung und damit dem Schallwechseldruck in etwa proportional ist.
Weg mit dem Brumm
Soviel zur grundsätzlichen Arbeitsweise und dem Wandlerprinzip des Q9U. Samson Technologies hat aber, dabei dem selbst gesetzten höheren Anspruch folgend, hochwertige Bauteile verwendet. Beispielsweise haben wir es, wie bei Mikrofonen und Lautsprechern der gehobenen Leistungsklassen üblich, mit einem besonders kräftigen Neodymium-Magneten zu tun.
Vom Hersteller besonders herausgestellt ist der Einbau einer sogenannten Brummkompensationsspule. Das ist per se nichts Außergewöhnliches, verdient aber eine nähere Erläuterung: Diese zweite Spule neben der eigentlichen Tauchspule dient der Kompensation von Störmagnetfeldern. Dabei ist die Kompensationsspule mit der Tauchspule in Reihe geschaltet, ist aber gegenseitig gewickelt. Magnetische Störeinflüsse – zum Beispiel Netzbrummen – werden von der Tauschspule phasenrichtig, von der Kompensationsspule gegenphasig aufgenommen. Haben die beiden Spulen gleiche Wicklungszahlen und Wicklungsdurchmesser, löschen sich die Auswirkungen der Störmagnetfelder aus. Jawohl, die Stromgitarrenfraktion kennt dieses Prinzip bestens: Die „Humbucker“/“Brummunterdrücker“-Tonabnehmer folgen dem gleichen Konstruktionsprinzip und bieten, sofern sauber und im beschriebenen Sinne konstruiert, eine höchst effektive Brummunterdrückung.

Gemacht für die Praxis
Die Q9U-Kapsel ist im Gehäuseinneren elastisch gelagert und von einem feinmaschigen, zweilagigen Drahtschutz gut geschützt. Das Aluminiumgehäuse des Q9U macht einen ausgesprochen robusten Eindruck, die mattschwarze Lackierung ist makellos ausgeführt. Wie auch beim rein analogen Zwilling Q9X ist eine schwenkbare Jochhalterung mit dem Gehäuse fest verbunden. Die ist ausgesprochen hilfreich bei der Montage an einem passenden Mikrofonstativ wie den von Samson angebotenen fünf „Desktop Boom Arms“ – das sind Schwenkarmhalterungen mit Schraubklemmen für die Schreibtischmontage -, was Rundfunkleute, Podcaster, Youtuber und sonstige Content Creator freuen wird. Das Gewinde der Jochhalterung hat den großen 5/8-Zoll Durchmesser und passt direkt an die Samson-Halterungen. Wir hätten uns aber noch ein Reduziergewinde im Lieferumfang gewünscht. Aber Samson Technologies hat es ausgespart, aber wenigstens einen aufsteckbaren Windschutz beigepackt.
Wir wollen aber nicht zu laut meckern, denn wir finden im dicht gepackten Karton neben der gedruckten, englischsprachigen Bedienungsanleitung gleich zwei USB-Kabel mit USB C/USB C und USB C/USB A-Steckern. Damit ist das Mikrofon flugs mit dem Rechnern oder mobilen Endgeräten verbunden. Die Einrichtung ist denkbar einfach, das Q9U wird sowohl unter Windows als auch unter Mac OS direkt als Audio-Gerät erkannt und muss nur noch ausgewählt werden. Das Einpegeln muss allerdings am Rechner vorgenommen werden. Insoweit bietet des Samson Mikrofon im Vergleich zu anderen USB Mikrofonen weniger. Allerdings ist der Hersteller in der Beschreibung seiner USB-Schallwandler bemerkenswert klar: So wird das in puncto Einstell- und Anwendungsoptionen sehr gut aufgestellte Samson G-Track Pro als „USB-Mikrofon mit eingebautem Audiointerface“ beschrieben. Unser Prüfling verfüge stattdessen über einen ADC für die direkte Digitalaufnahme am Rechner. Der wartet mit einer maximalen Auflösung von 24Bit/96kHz auf, was völlig in Ordnung ist. Dass der Hersteller auch einen Kopfhöreranschluss fürs Monitoring mitgedacht und eingebaut hat, verdient ein Sonderlob.
Rein analog arbeiten zwei technische Schmankerln, die das Q9U vom non-digitalen Q9X absetzen: So verfügt das USB-Mikrofon über ein Hochpass-/Low Cut-Filter, das auf Wunsch die tiefen Frequenzen ab 200 Hertz um drei Dezibel absenkt. Das Filter dient zur Kompensation des Nahheitseffekts, der konstruktionsbedingt – wir haben es mit einem Druckgradientenempfänger zu tun – entweder gewinnbringend nutzbar ist oder auch mal reduziert werden muss. Des Weiteren ist auch der Präsenzverstärker, über den schon das Q9X verfügt hat, mit an Bord. Der verstärkt den Präsenzbereich, also die Hochmitten, was speziell für Stimmen, Stichwort Sprachverständlichkeit, günstig sein kann. Da beide Schalterchen etwas aus dem Gehäuse herausragen, lassen sie sich auch ohne zusätzliche Werkzeuge oder gepflegte Fingernägel bedienen. Das gefällt uns sehr gut.

Ebenso, dass das Mikrofon auch ohne einen optionalen Standfuß auf dem Schreibtisch sicher aufstell- und dank der eingebauten Schwenkhalterung sehr gut ausrichtbar ist. Mit anderen Worten: Das Mikrofon lässt sich perfekt ausbalancieren. Pfiffig ist auch der im Analog- und USB-Betrieb gleichermaßen funktionierende „Mute“-Schalter: Ist er gedrückt, gibt das Mikrofon kein Signal aus.
Als dynamisches Mikrofon kann das Q9U hohe Schalldrücke bis gut 140 dB SPL verarbeiten, seine Empfindlichkeit ist mit angegebenen -57 dBV/Pa, was 1,4 mV/Pa entspricht, sehr gering, was aber, wie wir wissen, dem Wandlerprinzip geschuldet ist. Für Gesangsaufnahmen oder die Mikrofonierung lauter Schallquellen – wir denken an Blechbläser, Perkussion oder Gitarrenverstärker – kein Problem. Schwieriger wird es dann wie üblich bei leisen Signalen. Wohl den Anwendern, die über ein Audiointerface oder ein Mischpult mit guten Preamps und/oder einem Mikrofonvorverstärker mit viel Power bei bestmöglicher Rauscharmut verfügen.
Wer das Q9U als USB-Mikrofon einsetzt, hat es da sehr viel leichter, denn der eingebaute Wandler ist sehr empfindlich und ein guter Arbeitspegel ist mühelos einstellbar. Ob klanglich auch wirklich alles im grünen Bereich ist, klären wir im sehr bald folgenden Praxisteil.
Zuvor noch ein Wort zur Richtcharakteristik. Das Q9U verfügt über eine feste Nierencharakteristik, was bestens mit der Konzeption als Broadcast-Mikrofon korreliert: Schließlich soll es die Stimme, gegebenenfalls auch mal das Musikinstrument des Senders optimal einfangen – und sonst möglichst nichts. Auch keine nervigen Lüftergeräusche vom Laptop.

Runder Klang
Kommen wir zur Praxis. Wir haben das Q9U sowohl für reine Audio-Aufnahmen unter Logic Pro als auch für die Audio-Spuren von kurzen Videos verwendet. Dabei haben wir, neben den obligatorischen Sprachaufnahmen, auch Aufnahmen von einer Fingerstyle gespielten, also gezupften Ukulele angefertigt. Warum? Weil die Ukulele so gespielt ein ziemlich leises Instrument ist, das gewisse Ansprüche an Mikrofon und Mikrofonverstärker stellt.
Bei deaktiviertem „Presence Boost“ überzeugt das Q9U mit einem ausgesprochen runden und vollen Klang bei passabler Auflösung. Unser USB-Referenzmikrofon, das NEOM von sE Electronics, klingt deutlich präsenter. Es mag als Kondensatormikrofon in Elektret-Bauweise feiner auflösen, der rundere Klang des Samson-Mikrofons gefällt uns zumindest für die Ukulele besser. Für Sprache sprechen wir salomonisch ein Unentschieden aus, wenngleich das Q9U damit punkten kann, zwei Klangfarben anzubieten. Denn sobald sein Präsenzverstärker aktiv ist, verändert sich der Stimmklang, tönt scheinbar direkter und fokussierter, aber auch etwas enger.
Im USB-Betrieb kann das Samson voll überzeugen: Es ist, wie schon angeklungen, dann ein Leichtes, einen vernünftigen Arbeitspegel für die Aufnahme der Ukulele einzustellen. Vor allem aber erweisen sich die Aufnahmen als rauscharm, was sehr für die Qualität des Samson-Wandlers spricht. Da das Mikrofon mittels seiner Jochhalterung bestens auf unser Instrument ausrichtbar ist, macht es einen Riesenspaß, damit mehrere Ukulelenmusik-Videos aufzunehmen. Sogar der Kopfhörerausgang des Q9U kann aus Praktikersicht überzeugen: Mit guten Kopfhörern müssen auch Feinohrige keine Angst vor blutenden Lauschern haben. Dass dank „Direct Monitor“ Latenzen in der Tat kein Thema sind, macht den Kopfhöreranschluss besonders praxisgerecht und das Q9U zu einem voll verlässlichen Arbeitspferd.

Fazit
Das Samson Q9U verbindet als analoges Tauchspulenmikrofon mit 24Bit/96kHz-Wandler und USB-Funktionalität das Analoge mit dem Digitalen. Seine praxisgerechte Ausstattung und robuste Bauweise bei angenehm rundem Klang machen es zu einem heißen Tipp für die Kreativen von heute.
Q9U
| Hersteller | Samson |
| Vertrieb | www.sound-service.eu |
| Typ | Dynamisches/USB Mikrofon |
| Gewicht | 970 g |
| Farbe | schwarz |
| Abmessungen | 178, 5 x 79,5 mm (L x B) |
| Preis [UVP] | 259 Euro |
Technische Daten
| Wandlerprinzip | dynamisch |
| Richtcharakteristik | Niere |
| Frequenzbereich | 50 Hz – 20 kHz |
| Max. Schalldruckpegel | >140 dB SPL |
| Empfindlichkeit | 1,4 mV/Pa |
| Arbeitsweise | analog/digital |
| AD/DA-Wandler | |
| Schnittstelle | USB |
| Anschlüsse | XLR (analog)/USB C (digital) |
| Kopfhörerausgang | |
| Filter | 1x Low Cut, -3dB bei 200 Hz; 1 x MID-Präsenzverstärker |
| Halterung | |
| Zubehör | 2 x 2 m USB-Kabel: USB C auf USB C, USB C auf USB A, Windschutz |
| Besonderheiten | Kapsel elastisch gelagert mit integriertem, zweilagigen Pop-Schutz, analog und als Plug-and-Play USB-Mikrofon nutzbar |
Bewertung
| Kategorie | Mittelklasse |
| Ausstattung | sehr gut |
| Bedienung | sehr gut |
| Verarbeitung | sehr gut |
| Klang | sehr gut |
| Gesamtnote | sehr gut |

