
In der vorherigen Ausgabe hatte Georg Berger das kleine Digitalmischpult Allen & Heath CQ-18T in einem objektiv-ausführlichen Test gewürdigt. Heute geht’s um den individuellen, sehr subjektiven Eindruck, den das Pult auf mich gemacht hat.
Text und Foto von Harald Wittig
Wenn ein Gerät die Generation Smartphone anspricht, bin ich selbst eher weniger interessiert. Tatsächlich leiste ich mir immer noch den Luxus, auf ein solches mobiles Endgerät zu verzichten. Aber: Gewisse Standards von heute wie Touchscreens – meine Leica M10-P hat beispielsweise einen solchen – machen mir schon Spaß. Deswegen habe ich den Test des Allen & Heath CQ-18T vom hochgeschätzten Kollegen Berger mit einigem Interesse gelesen. Mikrofone und analoges Gerät lassen mein Herz zwar immer noch am Höchsten schlagen. Aber zeitgenössische Digital-Technik will auch ich nicht missen. Wenn es dann ein ausgesprochen handliches – wir nennen so was gerne „kompaktes“ – Mischpult genau darauf setzt, werde ich neugierig. Deswegen bestellte ich mir ein Q-18T, habe es schließlich auch erhalten und in meine Arbeitsumgebung integriert. Meine Erfahrungen mit dem CQ-18T, was ich mag und was nicht, teile ich mit Euch.
Bevor ich mich dem CQ-18T widme, muss ich ein wenig über meine fest installierten Geräte reden. Wie bei den meisten von uns, ist auch mein Projekt- und Test-Studio rechnerbasiert: Auf meinen beiden MacBook Pro – 16- und 14-Zoll Modelle – läuft Logic Pro, Standard-Audiointerface für vieles ist mein seit 2020 schon fast alt bewährtes Universal Audio Apollo X8 Heritage. Ich mag die Hardware – klanglich und in puncto Benutzerfreundlichkeit – sowie die DSP-powered UA Plug-ins. Wenn es darum geht, schnell ein Stück einzuspielen und zu bearbeiten, ist das Apollo X8 ein verlässlicher Partner. Wenn es allerdings um die Erzeugung besonders hochwertiger Spuren – zum Beispiel bei Mikrofontests oder generell bei akustischen Aufnahmen – verwende ich seit Jahren die Professional audio-Referenzkombination bestehend aus Lake People Mic-Amp F355, Mytek Digital 8×192 ADDA und Mutec MC3+ USB. Klar, das taugt nur für Stereo-Aufnahmen. Dafür allerdings in hervorragender Qualität.
Soweit so gut. Allerdings vermisse ich immer mal wieder ein echtes Mischpult. So schön und im Ergebnis auch überzeugend das Mischen und Bearbeiten im Rechner auch sind: So ein richtiger Mixer, selbstverständlich mit (USB-)Audiointerface-Funktionalität hat schon was. Seit ich vor rund vier Jahren das SSL BiG SiX testen und tatsächlich als Mischpult mit Logic Pro verwenden konnte, gab es diese gewisse Sehnsucht nach einem handlichen und leistungsstarken digitalen Kleinpult. Das CQ-18T schien alle Wünsche zu erfüllen:
x Es ist ausgesprochen klein und für den Schreibtischeinsatz konstruiert.
x Es ist problemlos für Mobile-Recordings einsetzbar und findet mit Laptop, Mikrofonen und Kabeln im Koffer Platz.
x Es bietet pfiffige Lösungen für die Praxis und Effekte.
Tatsächlich konnte das CQ-18T einige Erwartungen erfüllen, andere blieb es schuldig, Enttäuschungen blieben allerdings aus. Dann will ich doch mal konkret werden.

Das Mischpult ist für ein 18 Kanal-Pult erfreulich klein und belegt kaum mehr als ein DIN A4-Blatt auf dem Schreibtisch. Es findet mit meinem 14-Zoll MacBook Pro und dem Geithain RL-906-Paar locker Platz – sogar mein Axt-schwingender Vertrauter Alf (siehe Aufmacher-Foto) und diverses Kleinzubehör passen dazu auf den Desktop. Dass sich die Anschlüsse auf der Oberseite finden, ist so genialisch wie benutzerfreundlich. Die Mikrofon-Eingänge meines Apollo X8 finden sich auf seiner Rückseite und das hat mich schon häufiger entsetzlich genervt. Mir gefällt auch, dass die USB- und die RJ45-Netzwerk-Buchse sowie der SD Karten-Slot passgenaue Staubschutzabdeckungen aus Gummi haben. Das stünde so manch anderen – auch sündhaft teueren Pro Audio- und Consumer-Geräten – gut zu Gesicht. Allen & Heath hat‘s gemacht.
Bedienzentrale ist der, gemessen an der Pultoberfläche, große Touchscreen – und ich brauche eigentlich kaum mehr. Sicher, (Motor-)Fader sind was Feines – vor allem, wenn es sich um einen Midi- oder Maxi-Mischer handelt. Aber für ein solches Winzpult sind die doch nicht notwendig. Der CQ-18T-Bildschirm ist vorbildlich berührungsempfindlich. Auch mit der werksseitig, für den Transport aufgebrachten Schutzfolie, reagiert er ausgesprochen schnell und zuverlässig. Insoweit ist klar, dass dieses Digitalpültchen ein Kind unserer Zeit ist. Die zusätzlichen und farbig hinterleuchteten Drehregler ergänzen den Touchscreen sinnvoll, die Oberfläche bleibt aufgeräumt. Dass das CQ-18T zudem einen ziemlich robusten, damit wohl auch „straßentauglichen“ Eindruck macht, sie am Rande angemerkt.
Konfiguration und Benutzung ist denkbar einfach und – versprochen – für jeden Benutzer, der durchschnittliche Erfahrungen mit Rechnern und Audio-Interfaces gemacht hat, selbsterklärend. Ich selbst habe kein einziges Mal ins Handbuch geschaut. Das beliegende Tableau mit einer Grafik der Pultoberfläche hat mir genügt. Die Zusammenarbeit mit dem Apple-Rechner ist so einfach wie von Allen & Heath verhießen erledigt. Die Anmeldung erfolgt über die Systemeinstellungen und das Audio-MIDI-Setup. Als Audio-Interface unter Logic Pro genutzt, ist der Weg nicht mal vonnöten, da das DAW-Programm das CG-18T direkt als Audio-Gerät erkennt und zur Benutzung vorschlägt.
Allerdings werde ich schon mit einem Nachteil des Pults im Audiointerface-Betrieb konfrontiert: Es bietet nur zwei Abtastraten, 48 und 96 Kilohertz. Damit lässt sich, soll es ausschließlich für Aufnahmen und die Audio-Produktion zum Einsatz kommen, durchaus leben. Da ich aber meine Audiointerfaces auch zum Musikhören am Rechner mit dem erstklassigen Softwareplayer Audirvana verwende, ist mir das zu wenig. Denn Audirvana spielt die Audio-Files in Original-Auflösung ab und schaltet das angeschlossene Audiogerät entsprechend um. Das CQ-18T ist für die Software aber komplett abgeriegelt. Da ich auch Musik in sehr hoher Auflösung habe – meine Referenzstücke für Wandler-Tests -, ist das Pult dafür nicht brauchbar. Dafür gab es zu keiner Zeit Probleme mit Logic Pro oder Abstürze des Pultes selbst – Zuverlässigkeit kann ich dem CQ-18T besten Gewissens attestieren.
Bei der Bedienung, genauer beim Einpegeln ist der Gain Assistent hilfreich, wobei ich davor warne, ihm allzu bereitwillig zu vertrauen. Denn bei geringempfindlichen Mikrofonen wie dem vorzüglichen aktiven Bändchenmikrofon AT4081 von Audio Technica mit seinen 7,9 mV/Pa, reißt der Algorithmus den Gainregler zu schnell zu weit auf. Das Signal wird zu laut. Dabei ist auch auffällig, dass die ansonsten guten Preamps nahe am Anschlag klanglich verlieren: Klingen die sonst Allen & Heath-typisch präzise mit einer gewissen Hochmittenfärbung, wird der Klang zum Ende hin grobkörniger und in gewisser Weise instabiler. Außerdem schaffe ich es nicht, den Gain Assistenten mit eher sanften Einzeltonanschlägen auf meiner Ovation Custom Legend zum Einpegeln zu überreden: Auf die Singlenotes, die von meiner via DI-Box – HiZ-Eingänge wären meinerseits höchst wünschenswert – angestöpselten Ovation, reagiert das schlaue Helferlein nicht wunschgemäß. Dagegen stellt er für meine ebenfalls ins Pult gespielte Godin Multiac ACS, als solche eine E-Konzertgitarre, den optimalen Arbeitspegel geschwind ein.
Das Routing – sowohl CQ-18T intern als auch in und von Logic Pro – ist super bequem erledigt. Zugegeben, mit dem SSL BiG SiX hatte ich es eine Winzigkeit leichter, aber das liegt am konsequenten Digitalkonzept des Allen & Heath-Pultes, was beiden, Hersteller und Pult nicht anzulasten ist. Die Effekte, obschon nur vier an der Zahl, gefallen mir richtig gut. Vielleicht wünschen sich Anwender, die auf die ganz große Effekthascherei stehen, mehr und Wilderes. Aber der Chorus zum Beispiel erfüllt meine Vorstellungen an diesen Effekt – nehme ich gerne für die Elektro-Nylonstring -, da er vergleichsweise subtil auf die trockenen Spuren einwirkt. Der Hall klingt sogar richtig gut und kann mich als Insert-Effekt, vor allem aber auch als Send-Hall für die Solospur eines kurzen elektroakustischen Fusion-Stücks und Akustikgitarren-Aufnahmen überzeugen. Tatsächlich wünsche ich mir mehr – vielleicht auch wie bei den größeren Allen & Heath Digital-Pulten nachträglich zukaufbare – Effekte.
Insgesamt bin ich vom CQ-18T also recht angetan. Wenn ich es am Ende doch zurückgebe und vorerst mein Apollo X8 nicht in Rente schicke, liegt das an der eingeschränkten USB Audiointerface-Funktionalität und den fehlenden HiZ-Eingängen. Außerdem, weil ich als nativer Gitarrist trotzdem auch mal gerne Keyboards einsetze, vermisse ich MIDI IN/OUT.
Andere werden sich gegenteilig entscheiden. Wessen Erst-Interesse geweckt ist, dem sei Georg Bergers ausführlicher Test in der Ausgabe 2/2026 zur Lektüre empfohlen – und selbstverständlich der persönliche Praxistest.

