
Emulationen legendärer Sampler gibt es einige am Markt. Doch die beschränken sich ausschließlich auf das Reproduzieren der mit ihnen verbundenen ikonischen Sounds. Der Hersteller Hare Tech hat hingegen Nägel mit Köpfen gemacht und mit der ASR-V-Software sämtliche Funktionen und den Workflow des über 30 Jahre alten Ensoniq ASR-10 Sampler in Nullen und Einsen gegossen. Das ist nicht nur einzigartig, sondern schlichtweg sensationell, weshalb wir uns das alles etwas näher angesehen haben.
von Georg Berger
Im weiten Rund der Virtuellen Instrumente tummeln sich mittlerweile so gut wie alle relevanten und weniger relevanten Reproduktionen alter Hardware-Synthesizer. Dennoch findet sich abseits von der xten Version des Minimoog ab und an dann doch noch die eine oder andere Emulation eines alten Hardware-Klangerzeugers, die aufhorchen lässt. Zum Einen weil sie bislang noch niemand in Form von Software reproduziert hat und zum Anderen weil sie mit einer Funktionsvielfalt aufwartet, die nicht alltäglich ist. So jetzt geschehen mit dem ASR-V Instrument des Herstellers Hare Tech. Das Virtuelle Instrument ahmt detailliert den Hardware-Sampler ASR-10 des amerikanischen Herstellers Ensoniq nach, inklusive seines charakteristischen Grundsounds. Dabei beschränkt sich das im US-amerikanischen North Carolina ansässige Unternehmen nicht darauf, lediglich Sounds und Samples, die mit diesem Instrument mehr oder weniger symbiotisch verknüpft sind, zu reproduzieren. Hare Tech geht exakt den umgekehrten Weg und ahmt mit ASR-V den Workflow und die komplette Funktionalität des Hardware-Originals nach. Dort, wo andere Produkte lediglich das Abspielen von mitgelieferten Sounds und den überschaubaren Eingriff via Filter, LFOs, Hüllkurven und Effekten erlauben, geht ASR-V ungleich weiter und vor allem tiefer, weshalb sich der virtuelle ASR weniger als Preset-Schleuder, sondern als waschechtes Kreativ-Werkzeug vorstellt. Vom Erstellen/Aufnehmen von Samples, über das Editieren derselben, bis hin zum detaillierten Programmieren eigener Sounds, die anschließend mit dem On-Board-Sequenzer zu Kompositionen arrangiert und mit einer internen Effekt-Sektion veredelt werden können, liefert ASR-V alles, was zum Produzieren von Musik nötig ist – wer mag sogar ganz ohne DAW. Kostenpunkt: 200 Dollar. Angesichts des gebotenen Funktionsumfangs ist das ein veritables Schnäppchen. Damit nicht genug, hat Hare Tech seinem virtuellen ASR-10 auch noch das eine oder andere Feature mitgegeben, dass es in der Hardware nicht gegeben hat, was den virtuellen ASR-10 merkbar einfacher zu bedienen macht. Und als konsequenten Abschluss des Ganzen erlaubt die Software sogar das Laden und Schreiben von Sample-Daten im proprietären Ensoniq-Format. Das betrifft sowohl die 3,5-Zoll-Disketten, mit denen die Hardware gefüttert werden musste, als auch dedizierte Sound-CD-ROMs. Das ist wahrlich keine Selbstverständlichkeit und dürfte für viele, die einen alten Ensoniq-Sampler und mithin noch die alten Sample-Daten/Disketten besitzen, durchaus eine Kaufüberlegung wert sein. Wie das geht steht im Kasten „Konvertieren von Ensoniq-Daten“.
Um es vorweg zu nehmen: Bislang hat noch kein kommerzieller Hersteller einen Hardware-Sampler derart akribisch emuliert und erweitert. Spontan fällt uns da lediglich der Morgana-Sampler des holländischen Herstellers 112db ein (Test in Ausgabe 07/2008), der lediglich auf den Pfaden des alten Ensoniq-Mirage Samplers wandelt, aber keine exakte Reproduktion ist. Doch der Reihe nach.
Akribische Emulation des Ensoniq ASR-10
Zum Test tritt eine Beta-Version von ASR-V an, die naturgemäß noch mit der einen oder anderen Kinderkrankheit belastet ist. Die Haupt-Features laufen jedoch stabil, weshalb einem repräsentativen Test nichts im Weg steht. Sounds finden sich noch nicht an Bord, was aber mit der offiziellen Veröffentlichung nachgeholt werden soll. Außer einer Auswahl aus frei im Netz verfügbaren Sounds, sollen auch Instrumente und Presets von Dritten inkludiert werden. Die offizielle Version 1 ist übrigens für den Juli 2026 angekündigt. Das Instrument läuft sowohl stand-alone als auch als Plug-in via VST3 und/oder AU. Beim Aufruf des Instruments blicke ich auf eine naturgetreue Nachbildung der Hardware-Bedienoberfläche. Über die drei Buttons „Load“, „Command“ und „Edit“ plus anschließendem Drücken wahlweise der Tasten „Instrument“, „Seq/Song“, „System/MIDI“ und „Effects“, gelange ich in die entsprechenden Menüs zum Erstellen von Sounds, Programmieren derselben sowie zum Einstellen der relevanten MIDI-Funktionen und des Sequenzers und Effekt-Sektion. Der Zehner-Block dient zum direkten Eintippen von Ziffern/Werten. In Kombination mit den zuvor erwähnten Tasten üben sie eine weitere Funktion aus. Ist ein Instrument ausgewählt, können beispielsweise via Edit plus Drücken der Zifferntasten eins bis drei die Hüllkurven für Tonhöhe, Filter und Verstärkung aufgerufen und editiert werden. Werteänderungen können auch mit dem Data-Entry-Slider rechts vom Ziffernblock sowie dem Tastatur-Kreuz links neben dem Display erfolgen. Die Tasten „Enter“ und „Cancel“ sprechen für sich. Unterhalb des zentralen Zwei-Zeilen-Displays können wie auch im Original über acht Taster pro Instanz acht Instrumente geladen werden, die über diese Tasten direkt aufrufbar sind und bei Bedarf via Multimode angesprochen werden können. Die Tasten „Sample Source Select“ in Kombination mit den beiden Audio-Track Tastern erlauben das Aufnehmen von Samples respektive von zwei Audio-Tracks. Im ASR-V kann damit ein Stereo- oder Mono-Signal via Audio-Interface, das System-Audio, etwa die Tonspur eines youtube-Videos, gesamplet sowie via Import alle sattsam bekannten Audio-Formate importiert werden. Über die drei Transporttasten wird der interne Sequenzer gesteuert. Soweit so gut.
Der Ensoniq ASR-10 im Überblick
| Wir schreiben das Jahr 1992. Legenden wie der Yamaha DX7, der erste Emulator von E-MU sind rund zehn Jahre, der Roland D-50 und die Korg M1 roundabout fünf Jahre am Start. In den Studios weltweit ist der Atari 1040 ST DIE Kompositionsmaschine, aufgenommen wird auf Tonband und Rechner wie Windows- und Macintosh-Rechner warten mit CPU-Frequenzen im zweistelligen Megahertzbereich noch eine Weile darauf, als Recordingmaschinen zu fungieren. In dieser Zeit stellte der amerikanische Hersteller Ensoniq seinen Flaggschiff-Sampler ASR-10 vor, der als rundherum erweiterter Nachfolger des allseits beliebten EPS-16+ fortan für mehr Komfort beim Samplen, Spielen und Komponieren sorgen sollte. Mit rund 5.000 D-Mark war er seinerzeit zwar nicht gerade billig, aber immer noch deutlich günstiger als Boliden wie das Synclavier oder der Fairlight. Alsbald mauserte sich der ASR-10 zu einer ernsthaften Konkurrenz zu E-MUs Emulatoren und dem Platzhirschen Akai S-1000. Anders als letztgenannter zeichnete sich der Ensoniq-Sampler durch einen immer wieder als „amerikanisch“ beschriebenen Sound aus, der deutlich angenehmer als der teutonisch-kühl klingende Akai daherkam. Mit seinem Fünf-Oktaven-Keyboard, integrierter Effektsektion und On-Board-Sequenzer setzte sich der ASR-10 markant von den Konkurrenten ab und war wie geschaffen für den Live-Betrieb und als autarkes Kompositionswerkzeug. Die Qualität des Effekt-Chips war so hervorragend, dass er wenig später im 19-Zoll-Effektgerät DP/4 verbaut wurde und so mancher ASR-10 diente als luxuriöses Effekt-Gerät, wie etwa bei der Produktion des Albums „One Second“ von Paradise Lost. So wundert es nicht, dass die weltweite Dancefloor-Szene, aber auch Sound-Designer im Filmmusik- und Game-Bereich diesen Sampler rasch für sich vereinnahmten. Der aktuell prominenteste ASR-10-User in Deutschland ist übrigens der Rammstein-Keyboarder Flake Lorenz, der dieses Instrument nach wie vor im Live-Einsatz hat. Zahlreiche Modifikationsmöglichkeiten Abseits dessen offerierte Ensoniq eine Reihe aufpreispflichtiger Extras zum Modifizieren und Erweitern der Möglichkeiten des ASR-10. So konnte durch Einbau weiterer Platinen, der Arbeitsspeicher von anfangs zwei auf maximal 16 Megabyte erweitert werden. Für damalige Verhältnisse war das enorm. Das Haushalten mit wertvollem, weil knappem Sample-Speicher war somit nicht mehr nötig. Zudem konnte durch Einbau einer SCSI-Karte auch ein externes CD-Rom-Laufwerk oder andere Speicherlaufwerke (Zip, Jaz) zum Laden und Speichern von Daten verwendet werden. Eine S/PDIF-Schnittstelle erlaubte die digitale Übertragung der Daten, etwa auf DAT-Recorder und mit der externen Erweiterung OEX6r konnte die Zahl der Ausgänge von zwei auf acht erhöht werden. Die Rack-Version des ASR-10 kam hingegen ab Werk mit integriertem SCSI, S/PDIF und acht Ausgängen. Abseits dessen offerierte Ensoniq mit dem Modell ASR-88 noch eine Version mit gewichtetem 88-Tasten Keyboard. Gebaut wurde der ASR-10 schließlich bis 1998. Danach sank sein Stern, bedingt durch immer schnellere PCs, die als Recording-Maschinen den Platz von Bandmaschinen einnahmen. Schließlich hielten auch native Sampler Einzug in die Rechner, was mit einem neuen Workflow beim Produzieren von Musik einherging und die Hardware allmählich ablöste. Dennoch wird der ASR-10 trotz oder gerade aufgrund diverser altersbedingter Krankheiten – hier ist als größtes Manko das eigenwillig konstruierte Display zu nennen – immer noch auf dem Gebrauchtmarkt je nach Ausbaustufe und Zustand zwischen 600 bis rund 2.000 Euro gehandelt. |

Import proprietärer Ensoniq-Sample Daten
Ebenso wie im Original können pro Instrument/Preset bis zu 127 Samples enthalten sein, die sich auf acht Layer verteilen können, die ihrerseits über verschiedene Optionen ansteuerbar sind. Als Samplingraten stehen 44,1 kHz und 29,8 kHz zur Auswahl, was auch in der virtuellen Version Auswirkungen auf die Polyphonie hat. Bei 44,1 kHz stehen 23 Stimmen zur Verfügung, bei knapp 30 hingegen 31 Stimmen. Der interne Sequenzer verfügt über acht Spuren, Pro Spur können bis zu 999 Takte in maximal 80 Sequenzen eingefasst werden, die ihrerseits dann zu einem Song verknüpft werden können. Erste Besonderheit: Außer den Effekten des Originals sind auch eine Reihe neuer Effekte enthalten, etwa neue Filter, die zumeist für Dancefloor-Anwendungen prädestiniert sind. Wie erwähnt, ist auch im ASR-V in Sachen Sounddesigen all das möglich, was auch in der Hardware möglich ist. Darauf jetzt näher einzugehen, würde den Rahmen dieses Tests bei weitem sprengen. Stattdessen wollen wir uns auf die Besonderheiten des virtuellen ASR-10 konzentrieren und im übrigen auf das exzellent verfasste Handbuch verweisen. Das 460-Seiten-Werk folgt im Wesentlichen dem Inhalt des Original-Handbuchs. Neue Features sind im Inhaltsverzeichnis entsprechend gekennzeichnet. Sehr schön: Eine umfangreiche Tutorial-Sektion am Anfang macht es sowohl blutigen Anfängern, als auch alten Hasen, die ihren Ensoniq jetzt auf virtueller Ebene erneut kennenlernen, möglich, sich rasch mit den wichtigsten Funktionen vertraut zu machen. Dafür gibt’s schon einmal ein Sonderlob. Allerdings gibt es zum Zeitpunkt des Tests noch einige blinde Flecken wie etwa ein fehlendes Kapitel, welches das Einbinden und Importieren von Ensoniq-Datenträgern erklärt. Die Informationen die im „Konvertieren“-Kasten enthalten sind, habe ich im direkten Austausch mit dem Hare Tech Mastermind Anthony Briscoe erhalten.
Mehr Komfort dank Graphic-Displays
Schauen wir als nächstes auf die besonderen Features von ASR-V, welche die Software vom Hardware-Original unterscheidet. Da wäre zuvorderst die Integration von Graphic-Displays zu nennen, die anstelle der Bearbeitung kryptischer Zahlenkolonnen im Zwei-Zeilen-Original-Display jetzt ein ungleich bequemeres und übersichtlicheres Editieren ermöglichen und den ASR-10 auf virtueller Ebene in die Neuzeit hievt. So kann über den Aufruf des „Advanced Panels“, das unterhalb der Instrumenten-Oberfläche aufklappt, eine Wellenform-Anzeige erscheinen, in der bequem mit der Maus Sample-Start und -Ende sowie Loop-Punkte programmiert werden können. Die drei Hüllkurven und zwei Filter sowie die Parametersätze der Effekte erscheinen zwecks Editierung ebenfalls in diesem Advanced-Panel, was erneut leichter über die Bühne geht als via Original-Display. Damit erhält ASR-V die Weihen eines modernen Software-Samplers, der sich wahrlich nicht verstecken muss. Was jedoch zum Zeitpunkt unseres Tests noch fehlt ist ein Mapping-Dialog, über den man (Multi-)Samples bequem auf die Tastatur verteilen kann. Doch das dürfte in Form eines Updates leicht nachzuholen sein.

Auch das Programmieren und Arrangieren von Songs geschieht im ASR-V über einen graphischen Dialog. Anders als das Advanced-Panel drücke ich dazu oben rechts im GUI auf einen kleinen Button, der die Hardware-Oberfläche gegen einen Piano-Rollen-Editor mit sämtlichen relevanten Funktionen austauscht. Sequenzen können selbstverständlich über die Tastatur live aufgenommen und anschließend dort editiert werden, Quantisierung inklusive. Wer mag kann dort auch direkt via Maus Noten eintragen, etwa zum Programmieren von Drum-Beats. Alles in allem liefert ASR-V mit diesen Features im Großen und Ganzen die gleichen relevanten Features wie sie auch in Software-Samplern vom Schlage Native Instruments Kontakt, Steinberg Halion oder UVI Falcon zu finden sind. Zuguterletzt gibt es auch eine kostenlose iPad-App für den ASR-V , um diesen via Tablet fernsteuern zu können, ähnlich wie auch bei der Orb-Funktion in Omnisphere 2 von Spectrasonics.
Konvertieren von Ensoniq-Daten
| Das Ensoniq-Datenformat folgt einer ganz eigenen Spezifikation, weshalb die auf den 3,5-Zoll-Disketten beschriebenen Daten nicht mit den Datenstandards in Windows- und Mac-Rechnern – so sie noch über ein Floppy-Laufwerk verfügen – kompatibel sind. In heutigen Zeiten ist solch ein Diskettenlaufwerk schon längst nicht mehr in modernen Rechnern enthalten. Selbst CD-ROM/DVD-Laufwerke sind auf dem Rückzug. Doch es gab und gibt diverse Kniffe und Möglichkeiten, wie die Ensoniq-Sampler-Daten in heutige Rechner kommen. Bislang gibt es dafür die Translator-Software von Chickensys (chickensys.com), die auch als Sounddaten-Konverter fungiert. Vom gleichen Hersteller gibt es auch die Software Ensoniq MIDI-Disk-Tools, die als dedizierter Editor für den ASR-10 fungiert. Pferdefuß an der Sache: Für den Betrieb dieser Produkte ist ein Open-Source-Treiber namens „Omniflop“ nötig, der als alternativer Floppy-Controller in der Lage ist, die Daten auf Ensoniq-Disketten zu erkennen, zu lesen und zu schreiben. Dieser funktioniert allerdings nur mit internen Floppy-Laufwerken. Aufgrund unterschiedlicher Architekturen kann ein externes USB-Floppy-Laufwerk nicht verwendet werden. Wer also noch einen alten Rechner mit Diskettenlaufwerk hat, kann dies darüber realisieren. Alternativ bietet sich der Kauf der kleinen, rund 40 Euro kostenden, Hardware-Platine „GreaseWeazle“ von Keir Fraser an, mit der die Installation des Omniflop-Treibers obsolet ist. (https://github.com/keirf/Greaseweazle/wiki). Dazu ist lediglich ein altes internes Floppy-Laufwerk, ein dediziertes Strom- und Daten-Flachbandkabel sowie ein USB-Kabel nötig plus eine beim Hersteller kostenfrei zu beziehende Software für Windows, Mac und Linux zum Steuern der Platine. Ist das Laufwerk via GreaseWeazle mit dem Rechner verbunden, muss via Eingabe-Aufforderung/Kommando-Zeile/Terminal das Laufwerk mit entsprechenden Textbefehlen angesteuert werden. Das ist zwar etwas kryptisch, aber wahrlich kein Hexenwerk. Es gibt mittlerweile auch Zusatz-Programme, die ein GUI über das eigentliche GreaseWeazle-Programm zwecks bequemer Bedienung legt. Nach dem Lesen der Diskette liegen die Ensoniq-Samples als .efe- oder .eda-Dateien im Rechner vor, die nun via Load-Instrument-Befehl in ASR-V geladen und direkt konvertiert werden. In künftigen Versionen soll das GreaseWeazle-Programm übrigens direkt in ASR-V integriert werden, so dass ein separater Download und der Einsatz von Textbefehlen entfällt. Das Laden und Konvertieren von Ensoniq-CD-Roms geht etwas leichter über die Bühne. Dafür kommt lediglich die Freeware „ImgBurn“ (https://www.imgburn.com/) zum Einsatz. Hier können auch externe USB-Laufwerke zum Einsatz kommen. CD-Rom einlegen, ImgBurn starten, dann auf den Button für das Schreiben der Disk in ein Image klicken. Anschließend den Speicherort für das Image wählen, einen sprechenden Dateinamen vergeben und schon schreibt die Software die Daten in ein Image-File. Anschließend lassen sich diese Daten via „Open Image Disk“-Befehl in ASR-V adressieren und per „Load Instrument“-Befehl laden. |

Ganz neu: Auto Chop und Stem-Creation
Abseits der Workflow-Verbesserungen durch Graphic-Displays hat der Hersteller auch noch das eine oder andere Sound-Design- und Sample-Verwaltungs-Feature integriert, das dem Anwender, zumal im Dancefloor-Bereich, das Leben künftig leichter macht. Es sind zwar nicht allzu viele Neuheiten, die aber bewußt so überschaubar gehalten sind, um den ohnehin riesigen Umfang an Einstellmöglichkeiten nicht zusätzlich zu überfrachten. Als erstes wäre hier das Stereo-Sampling zu nennen. Musste im Original stets für jeden Stereo-Kanal ein eigener Layer erzeugt und separat editiert werden, ist das in ASR-V nun hinfällig. Ab sofort wird ein Stereo-Sample wie ein Mono-Sample behandelt und bearbeitet, was den Arbeitsaufwand entsprechend minimiert. Bravo!

Weiter geht es mit der Auto-Chop-Funktion, Propellerhead Recycle lässt grüßen, die es ermöglicht, ein Sample automatisch nach diversen Kriterien zu zerteilen und die Teile anschließend sukzessive auf die Tasten zu verteilen. Außer nach der BPM-Zahl lässt sich für das zu zerteilende Sample auch ein Lautstärke-Threshold einstellen sowie eine frei definierbare Zahl an Schnitten/Slices bestimmen. Die dritte Neuheit ist eine Stem-Funktion, die es erlaubt, aus einem Arrangement die Vocals, die Drums, den Bass und alle anderen Instrumente zu separieren und individuell spiel- und mixbar zu machen. So lässt sich darüber ganz leicht eine Karaoke-Version eines Songs erstellen oder durch entsprechendes Einstellen der Lautstärken individuelle Mixe eines derart aufgeteilten Arrangements vornehmen. Mit den beiden letztgenannten Features schielt Hare Tech unverhohlen in Richtung Dancefloor. In dem Zusammenhang will ich auch die Transwave-Funktion nicht unerwähnt lassen, die bereits seit Zeiten des ASR-Vorgängers EPS16 fröhliche Urständ feiert und den für diese Instrumente typischen Signature-Sound liefert. Im Grunde genommen handelt es sich dabei um eine Art manueller Wavetable-Synthese. Die Transwave-Funktion legt auf ein geladenes Sample einen frei definierbaren Ausschnitt, der mehr oder weniger lang erklingt. Dieser Ausschnitt lässt sich nun wahlweise mit dem Modulationsrad oder via Anschlagsdynamik, Aftertouch, Hüllkurven oder LFOs über die gesamte Länge des Samples verschieben. Je nach Größe des Ausschnitts sind dabei Fragmente des Original-Samples bis hin zu nicht mehr erkennbaren Spektren, die nur wenige Sample-Zyklen lang sind hörbar. Gerade mit dieser Funktion trumpften die Ensoniq-Sampler in Sachen Sounddesign auf und waren gern gesehene Gäste in so mancher Klangschöpfungswerkstatt. In Verbindung mit dem internen „Infinite Delay“-Effekt lassen sich im Handumdrehen komplexe Soundscapes erstellen, die sich rasch zu gewaltigen Soundgebirgen auftürmen.


Obwohl es schon 25 Jahre her ist, seitdem ich intensiv mit den Möglichkeiten des originalen ASR-10 gearbeitet habe, ist es erstaunlich, wie rasch ich im ASR-V wieder in den Workflow dieses Instruments zurückfinden konnte. Die erwähnten Tutorials haben ihr Übriges dazu getan. Und was nur noch halbwegs oder gar nicht bekannt ist, lässt sich trotz des riesigen Umfangs schnell im Handbuch nachschlagen. Im Test erstelle ich via Audio-Interface eigene Samples, beschneide und loope sie, lege Filter darüber und programmiere flugs Hüllkurven darauf. Alles fühlt sich so an wie bei unserem guten alten Hardware-Schlachtross. Mit nur wenigen Betätigungen der Tasten auf der Oberfläche gelange ich rasch ans Ziel. Gleiches über reinrassige Software-Sampler zu realisieren, geht auch nicht schneller. Selig bin ich schließlich, als es an das Importieren von Sounds geht, die seit Jahrzehnten auf Diskette und CD-Rom geschlummert haben. Plötzlich bin ich auf einer nostalgischen Klangreise, die mir anschaulich vor Ohren führt, was ich damals alles mit dieser durch und durch kreativen Maschine für Dinge realisiert habe. Und am Ende stimmt‘s auch mit dem Sound. Auf eigentümliche Weise kann auch der ASR-V Samples zu einer eigentümlichen Weichheit und Samtigkeit verhelfen, die in Zeiten digitaler Klangverarbeitung durchaus aufhorchen lässt und gefällt. In die gleiche Kerbe schlagen auch die internen Effekte, die dem Ganzen einen weiteren Schönklang verpasst und die Sounds mit zusätzlichem Glanz versieht. Wird kein Sound abgespielt, ist zwar immer ein leichtes Rauschen hörbar, was zwar nicht weiter stört und wohl zum Signature-Sound des Samplers gehört. Dennoch wäre sozusagen eine schaltbare Clean-Option durchaus eine willkommene Alternative, um auch den ASR-V als modernes Instrument erklingen zu lassen.

Fazit
Mit dem ASR-V legt der Hersteller Hare Tech, die unseres Wissens nach erste vollständige Emulation eines Hardware-Samplers vor. Der Ensoniq ASR-10 wird bis ins kleinste Detail auf virtueller Ebene reproduziert, Grundsound inklusive. Damit nicht genug hat der Hersteller moderne Features und Funktionen integriert, die behutsam ins Bedienkonzept des Originals eingefügt wurden und den Workflow erheblich erleichtern. Ein ganz heißes Feature ist letztlich die Möglichkeit, Sounds im proprietären Ensoniq-Format laden, speichern und spielen zu können. Wer noch einen ASR-10 sein eigen nennt und ihn nur deswegen eingemottet hat, weil das anfällige Display keine verlässlichen Anzeigen mehr liefert, erhält mit dem ASR-V einen aufgebohrten Editor, um fortan Sounddesign am Rechner und später Live-Performance auf der Hardware zu betreiben.
ASR-V
| Hersteller | Hare Tech |
| Vertrieb | https://haretechusa.com |
| Typ | Virtuelles Instrument |
| Preis [UVP] | 200 US-Dollar |
Technische Daten
| Plattform | |
| Schnittstellen | Stand-alone, VST3, AU |
| Werkspresets | keine Angabe |
| Aufnahmequalität | 29,8 kHz; 44,1 kHz |
| Sample-Organisation | |
| Audiokanäle | 2x in, 2x out |
| MIDI-Kanäle | |
| Aufnahmekanäle | |
| Sonstige Anschlüsse | 1x 6,3 mm Klinke (Fußschalter), 1x 4-Pol-XLR (Lampenanschluss) |
| Datei-Import | |
| Polyphonie | 31fach bei 29,8 kHz, 23fach bei 44,1 kHz |
| Filter | |
| LFO | |
| Hüllkurven | 3 pro Sample (5-stufig) |
| Modulation | 15 Modulationsquellen |
| Effekte | |
| Sequencer | 8 Instrument + 2 Audio-Tracks, 80 Sequenzen, 999 Takte pro Sequenz |
| sonstige Funktionen | |
| Lieferumfang | Bedienungsanleitung (pdf) |
| Besonderheiten | Detaillierte Emulation sämtlicher Funktionen des Ensoniq ASR-10 Hardware-Samplers, Emulation der hardware-eigenen klanglichen Artefakte, Effekt-Algorithmen identisch zum Effekt-Prozessor Ensoniq DP/4, Advanced Panel erlaubt Anzeige und graphisches Editieren von Samples, Hüllkurven, Filtern und Sequenzen (Piano-Roll Editor), Fernsteuerung des ASR-V via kostenloser Remote-Software für iPad. |
Bewertung
| Kategorie | Spitzenklasse |
| Ausstattung | sehr gut – überragend |
| Bedienung | sehr gut |
| Klang | sehr gut – überragend |
| Gesamtnote | sehr gut – überragend |

