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Juli 9, 2026

Reportage | Allen & Heath Aufnahmepraxis

Ergänzend zum ausführlichen Test des Allen & Heath Qu-5D in dieser Ausgabe haben wir das ­Digital-Mischpult auch für die Aufnahme eines semiprofessionellen ­Blockflötenensembles eingesetzt. Dabei mussten alle ­Beteiligten eng zusammenarbeiten, um mit Ungewohntem und Unvorhergesehenem klar zu kommen.

von Harald Wittig (Text, Fotos von Georg Berger und Harald Wittig)

Es hat bislang nicht zu den ­Professional audio-Standards gehört, Testgeräte einem größeren Recording-/Praxistest zu unterziehen. Beispielsweise im Rahmen einer Vorort-Aufnahme eines akustischen Ensembles. Der Hauptgrund: Die Geräte sind schlichtweg nicht lange genug in unserem Besitz. Denn ein solches Projekt benötigt einen gewissen Vorlauf: Es müssen mit den Musikern Termine vereinbart werden, ein Raum ist auch nicht ganz einfach zu bekommen und intern müssen wir uns schließlich auch absprechen.

Manchmal ergibt sich jedoch Unvorhergesehenes. So wünschte sich Audio Technica, das die Produkte des britischen Mischpult-Spezialisten Allen & Heath betreut und vertreibt, einen ausführlichen Praxistest seiner kompakten Digital-Konsolen. Die Testgeräte sollten uns entsprechend längerfristig zur Verfügung stehen. Klare Sache, dass wir sofort Feuer und Flamme waren. Die ließen wir  dann auch kräftig lodern – von den ersten Planungsschritten bis zum finalen Take. Was alles geschah, lest Ihr jetzt.

Produktauswahl und Planung 

Nach Rücksprache mit dem Allen & Heath-Produktmanagement entschieden wir uns für zwei der aktuellen Digitalpulte: Dem ultrakompakten CQ-18T – Test in Ausgabe 2/2026 und ergänzender Erfahrungsbericht in dieser Ausgabe – sowie das Qu-5D aus des Herstellers neuer, bereits sehr gut angenommener Qu-Reihe. Die hatte Allen & Heath nämlich gründlich überarbeitet – der Hersteller spricht von der „Wiedergeburt der legendären Digitalmixer“ -, sodass wir uns für eine Vorort-Aufnahmesitzung für das Qu-5D entschieden. Gleichwohl hatten wir – Georg Berger und ich – das große Glück, jeweils mit beiden Pulten ausgestattet worden zu sein. Wir konnten uns also unabhängig voneinander in die Bedienung der Mischpulte einarbeiten. Mit jeweils eigenen Schwerpunkten, doch dazu später mehr.

Das Allen & Heath Qu-5D war Zentrum der Aufnahme des Blockflöten-Sextetts.

Der Allen & Heath-Vertrieb Audio Technica ist auch bekannt für seine professionellen Mikrofone und wünschte – durchaus nachvollziehbar -, dass wir Audio Technica-Schallwandler einsetzen würden Nach Sichtung des Portfolios entschieden wir uns, dabei selbstverständlich auch geleitet von früheren Tests der AT-Mikrofone, für diese Auswahl:

  • Zwei AT4081, als solche aktive und ausgezeichnete Bändchenmikrofone, die für ein Blumlein-Arrangement Verwendung finden sollten.
  • Ein Paar AT4050, für professionelle Anwendungen konzipierte umschaltbare Großmembran-Kondensatormikrofone, die sich dank ihrer Flexibilität für verschiedene ­Mikrofonierungs-Verfahren eignen.
  • Schließlich Kapseln und Impedanzwandler des Modular-Systems AT4051, konkret Druckempfänger- und Druckgradientenempfänger-Kapseln mit Kugel-beziehungsweise ­Nieren­charakteristik.

Unsere Wünsche wurden weitgehend erhört, obschon sich herausstellte, dass Audio Technica Deutschland nicht alle Geräte und Mikrofone sofort liefern konnte. So kamen – nach längerer Wartezeit – das zweite AT4081 sowie die beiden AT4050 via FedEx aus Japan. Zudem hatte es ein Missverständnis bei der Bestellung der Kleinmembraner gegeben: Wir erhielten zwar alle gewünschten Kapseln, sogar paarweise sortiert. Allerdings ohne Impedanzwandler. Damit war klar, dass wir lediglich das Bändchen- und das Großmembran-Paar  als Hauptmikrofone nutzen würden.

Der Soundcheck. Wir nahmen unter Logic Pro auf, gleichzeitig aber auch direkt vom Qu-5D auf eine SD-Karte. Zeit für einen Schnappschuss mit der leisen Leica war auch.

Schwieriger als erwartet erwies sich dann aber die Auswahl und Terminabsprache mit den Musikern. Der ursprüngliche Idee, ein in München ansässiges World Music-Ensemble aufzunehmen, scheiterte an Termin- und logistischen Schwierigkeiten. Die Musiker, allesamt hauptberuflich als Musiklehrer tätig, waren kurzfristig – ein Begriff, den Redakteure anscheinend anders definieren als Künstler – nicht zusammenzubringen. Außerdem wäre die lange Fahrt vom Rheinland in die bayerische Landeshauptstadt unsererseits nicht geschwind umsetzbar gewesen. Denn unsere Entscheidung, mit dem dann doch recht großen Qu-5D zu arbeiten, hätte eine – spontaner machbare – Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln praktisch unmöglich gemacht.

Doch das Glück war uns hold: Dank unserer privaten Kontakte konnten wir ein ­semiprofessionelles Blockflöten-Ensemble, das im einfach erreichbaren rheinland-pfälzischen Andernach probt, für Aufnahmen gewinnen. Dass das nördliche Rheinland-Pfalz für uns, die wir im Rheinland leben und schaffen, nur einen Steinwurf entfernt ist, schuf eine grundsätzlich sehr günstige Ausgangssituation. Die Musiker – zur Besetzung nachher mehr – waren auch direkt interessiert. Nur mussten gleichwohl bestimmte Hürden überwunden werden: Denn unsererseits kam für die Aufnahme-Sitzung ein abendlicher Probenmitschnitt nicht in Frage. Allein der Aufbau mit dem Qu-5D im Zentrum wäre zu zeitaufwendig gewesen –  von der Mikrofonierung gar nicht zu reden. Es ist dem Engagement der Ensembleleiterin Marit Walther zu verdanken, dass wir für einen Sonntag-Nachmittag in die Duale Oberschule St. Thomas durften. Eben dort probt das Ensemble, denn Frau Walther arbeitet an der Schule als Musiklehrerin. Wie sich herausstellte, war die Blockflötengruppe ein recht groß besetztes Ensemble. Wir waren fälschlich von einem Quartett ausgegangen, erfuhren aber kurz vor dem Termin, dass wir ein Sextett vor den Mikrofonen haben würden. Die Besetzung wollen wir direkt nennen. Die Aufzählung entspricht der späteren Sitzordnung der Bläser bei den Aufnahmen:

·  Judith Schlenzig, Sopran-Blockflöte

·  Martin Gerber, Alt-Blockflöte

·  Emily Volk, Alt-Blockflöte

·  Barbara Volk, Tenor-Bockflöte

·  Mechthild Gerber, Bass-Blockflöte

·  Marit Walther, Bass- und Subbass-Blockflöte sowie Leitung

Unverhoffte Unterstützung

Wie es der glückliche Zufall will, lebt der Tonmeister (VDT) Ole Muth in Andernach. Mit seinem Unternehmen Accelerando Musikproduktion (https://www.accelerando.audio/) hat sich der studierte Musiker auf hochwertige Klassikaufnahmen spezialisiert. Inzwischen produziert er neben exzellenten Audio-Aufnahmen auch hochprofessionelle Konzertvideos. Beispielsweise mit dem wunderbaren Cellisten Benedict Kloekner. Zu bewundern sind einige diese Produktionen unter https://www.accelerando.audio/aufnahmen.html#video .

Der erste Mikrofonaufbau für den Soundcheck: Zwei AT4050 auf Nierencharakteristik eingsteellt in ORTF-Anordnung, die beiden Bändchenmikrofone AT4081 im Blumlein-Arrangement.

Mit Ole Muth sind wir schon länger bekannt und es fügte sich, dass wir angelegentlich eines anderen Themas auf die Aufnahme des Blockflöten-Ensembles zu sprechen kamen. Unseren Plan, mit wenigen Mikrofonen –  konkret den beiden AT4081 in Blumlein-Anordnung sowie dem AT4050-Paar im ORTF-Arrangement – aufzunehmen, begrüßte der Fachmann. Außerdem bot er uns ergänzend zu unserer Ausrüstung noch seine Manfrotto-Stative sowie eine Stereo-Schiene und eine spezielle Blumlein-Halterung an. Damit nicht genug, wollte er uns auch ein Paar Schoeps MK21 – gewissermaßen als Referenz – aus seiner Mikrofon-Kollektion beilegen. Wir nahmen das freundliche und großzügige Angebot an, dass Ole Muth – nun wirklich gänzlich unerwartet – noch toppte: Denn er bot uns seine Unterstützung bei der Aufnahme an. Mehr hätten wir nicht erwartet, wohl nicht einmal erträumt. So sahen wir dem Aufnahme-Tag, einem Sonntag im März dieses Jahres, zwar leicht lampenfiebrig, aber auch mit einer gewissen Vorfreude entgegen.

von Georg Berger

Für die Aufnahme des Blockflöten-Ensembles hatten wir das Pult wie folgt eingerichtet: Das Pärchen Schoeps- MK21, die beiden Audio-Technica AT4050 Großmembran-Mikrofone sowie die AT4081 Bändchen-Mikrofone wurden jeweils als Stereo-Inputs im Pult eingesetzt. Im I/O-Routing war also jeweils ein Pärchen Analog-Eingänge auf je zwei Kanalzüge der ersten Hälfte des ersten Mischpult-Layer geroutet worden. Es ist/war zwar nicht nötig, aber je ein Kanal-Paar wurde schließlich im vierten Layer des Qu-5D auf eine eigene Subgruppe geroutet, die ihrerseits wiederum auf den Masterbus gingen. Dies realisierten wir, indem wir die gewünschten Mix-Kanäle im Config-Dialog des Setup-Menüs zuerst von „Aux“ auf „Group“ umgestellten und die gewünschten Stereo-Inputkanäle im Routing-Dialog des Input-Kanalzugs per On-Button auf die dafür bestimmte Gruppe geroutet hatten. Um eine direkte Abhörkontrolle nach der Aufnahme zu erhalten, wurde in der zweiten Kanalzug-Hälfte des ersten Mischpult-Layers die vom Rechner ausgegebenen USB-Kanäle, analog zum Eingangs-Routing der Mikrofone, auf die Kanalzüge geroutet. Dazu hatten wir im I/O-Dialog des Qu-5D einfach die gewünschten USB-Ausgänge vom Rechner als Eingänge in die Qu-5D-Kanalzüge ab Kanal 8 im ersten Layer geroutet. Auch diese Eingänge waren wir in drei Subgruppen eingefasst und in den vierten Mischpult-Layer gesetzt. Für das Einpegeln der Mikrofone nutzen wir die Auto-Gain-Funktion genutzt, die verlässlich ausreichend hohe Pegel ermittelte. Allerdings wurde im weiteren Verlauf der Aufnahmesession deutlich, dass die Pegel eine Wenigkeit – circa zwei bis vier Dezibel – zu hoch waren. Erst als wir die Pegel um diese Werte reduziert hatten, musste die automatische Gain-Kontrolle nur noch sporadisch eingreifen. Die Aufnahmen erfolgten stets direkt nach dem Preamp, also ohne weitere Effekte. Über die Input-USB-Kanäle war es im Nachgang schließlich möglich, die Signale mit Studio-Effekten zu veredeln und mit einem via Aux-Send eingesetzten Hall, der im dritten Mischpult-Layer einzustellen war, zu versehen. Parallel zur Aufnahme über USB-C auf Haralds MacBook Pro wurden die Aufnahmen sozusagen als Havarie-Lösung auch auf SD-Karte als Multitrack-Recording direkt im Pult aufgenommen. Auch hier erfolgte die Aufnahme ohne jedweden weiteren Einsatz von Effekten.

Doch anders als gedacht

Am Aufnahme-Tag hätte das Wetter nicht schöner, Georg Bergers Kleinwagen allerdings auch nicht voller gepackt sein dürfen. Wir selbst hatten neben dem Allen & Heath Qu-5D noch einen Reisekoffer mit den Audio-Technica Mikrofonen, Kabeln, einer Stereo-Schiene und meinem 14-Zoll MacBook Pro, einer Kiste mit Stativen und noch mehr Kabeln sowie meine Fototasche mit zwei Digital-Kameras und einer analogen Spiegelreflex dabei – mehr ist dann eben doch mehr und fast schon zu viel.

In Andernach angekommen, holten wir bei Ole  Muth noch die von ihm vorbereitete Tasche mit seinem Equipment ab.

Die Flötisten erwarteten uns bereits, als wir an der Schule ankamen. Zu unserer Überraschung war der Schulhof von mehreren Familien besucht und in Beschlag genommen worden. Kinder und Erwachsene genoßen lautstark das herrliche Wetter, was ihnen niemand verdenken wollte. Allerdings waren wegen dieser privaten Spontanfeier Aufnahmen in der Eingangshalle der Schule – trotz durchaus ansprechender Akustik – ausgeschlossen. Wir wählten deswegen den Proberaum des Ensembles. Dabei handelt es sich um einen flachen, aber recht großen  Klassenraum mit Teppichboden, der als Musikunterrichts- und Bandprobenraum genutzt wird. Der Raum ist jedoch akustisch eher wenig lebendig und generell klanglich keine Offenbarung – zumindest für ein akustisches (Bläser)-Ensemble. Aber ein anderer Raum stand nicht zur Verfügung. Wenigstens hatten wir in dem Proberaum einigermaßen Ruhe. Während das Sextett sich in der Halle einspielte, bauten wir den Stuhl-Halbkreis für die Musiker und unsere Gerätschaften auf. Laptop und Mischpult fanden Platz auf einem Tisch, meine Netzfilter-Leiste schloß Brummschleifen aus. Georg Berger hatte das Qu-5D bereits eingerichtet (siehe im Detail den Spezialkasten), während ich eine Logic Pro-Projekt vorbereitet hatte. Nach meinen Erfahrungen mit dem Gain Assistenten und der Auto Gain-Funktion wählte ich rein sicherheitshalber und vorsorglich die 32Bit-Tiefe bei einer Abtastrate von 48kHz. Da wir von mehreren Takes ausgingen, hatten wir uns schon im Vorfeld gegen die alternative und speicherhungrige 96kHz-Auflösung entschieden.

Tonmeister Ole Muth änderte den Aufbau der Mikrofone, angepasst an die ebenfalls geänderte Position des Sextetts.

Sowohl die Kapseln des Blumlein-Arrangement als auch des ORTF-Paars  platzierte ich etwa auf der Höhe der Kopfstücke der Blockflöten. Immerhin entsteht dort der Hauptklang und wir erwarteten ohnehin eine sehr direkte, kaum konzertant klingende Aufnahme. Dabei hatten wir bereits eine nachträgliche Anreicherung der Spuren mit Hall einkalkuliert. Sicherlich kein klassisch-puristisches Vorgehen, aber erlaubt. So es denn der Musik dient. Dummerweise hatte sich ausgerechnet während unseres Soundcheck-Takes ein Kraftfahrer zum Vorbeifahren entschlossen. Tja…Kommt vor.

Meister, übernehmen Sie!

Inzwischen war Ole Muth eingetroffen – und änderte direkt den Gesamtaufbau. Er ließ das Ensemble viel näher an die Mikrofone heranrücken, musste deswegen aber gleichzeitig den Mikrofonaufbau komplett ändern. Er zog die Stative viel höher aus und winkelte die Mikrofone – im Falle des ORTF-Paares stärker – an. Damit musste allerdings das Blumlein-Paar, um Abschattungen des AT4050-ORTF-Paars zu vermeiden, letztlich zu hoch gestellt werden. Die beiden Schoeps MK21 in AB-Konfiguration ließen wir übrigens nur noch der Form halber mitlaufen: MK4, also Nieren, wären für diese akustische Umgebung die bessere Wahl gewesen. Aber, wie bereits erwähnt: Wir hatten raummäßig keine andere Wahl.

Woran ist ein erfahrener Tonmeister zu erkennen? Dass er als Aufnahmeleiter weiß, was der Musik und ihrer Darstellung durch die Musiker dient – und die Künstler unterstützt und motiviert, ihr Bestes in der jeweiligen Situation zu geben. Als feinohriger „Meister“ – so nannten ihn die Flötisten schon sehr bald – – hörte Ole Muth sofort die Schwächen in der Intonation. Obschon die Gruppe grundsätzlich erfreulich rein, damit fraglos professionellen Ansprüchen genügend spielt, war der Klang des Ensembles anfangs unsauber. Die Ursache war die zu tiefe Tenorflöte von Barbara Volk. Sie konnte nicht höher stimmen – das Kopfstück war bereits am Anschlag. Aber die Mitmusiker konnten in der Stimmung tiefer gehen. Nach kurzer Zeit war das Ensemble in sich stimmig und bewies dann seine Kompetenz und stilistische Versiertheit.  Das Repertoire der Gruppe reicht von den obligatorischen Barock-Stücken bis hin zu jazzigen und Weltmusik-Stücken. Dabei erinnert der Ensemble-Klang an ein Orgel-Positiv des Frühbarocks. Also ein sehr reizvoller Klang, der uns im Laufe der Aufnahmesitzung immer besser gefiel. Zumal sich die Gruppe, unter dem faktischen Dirigat von Ole Muth kontinuierlich steigerte. An dieser Stelle ein Bravo von uns für die musikalische Leistung des Sextetts.

Das Qu-5D hat sich während der insgesamt vier Stunden dauernden Aufnahme-Sitzung als weitestgehend zuverlässig erwiesen. Wir hatten zwar einen Absturz des Pultes zu verzeichnen. Der brachte uns – und die Musiker – am Ende aber wenig aus dem Konzept und bremste uns kaum aus. Als letztes Stück und für AB-Vergleichszwecke für die Musiker nahmen wir das Soundcheck-Stück noch einmal auf. Dann waren wir durch. Der Abbau und das Einpacken erforderte einige Zeit, final wurden  Worte – des Dankes und der Anerkennung – gewechselt. Dann machten wir uns durchs von der Abendsonne vergoldete Rheintal zurück und auf zu den heimischen Gestaden.