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September 16, 2026

Test: Soundbrenner Wave Pro

Wenn ein Hersteller seinen Erstling selbstbewusst als Alternative zu den etablierten ­Profi-Kopfhörern anpreist, werden wir neugierig – und sind sehr gespannt, ob der ­I­n-Ear Monitor Wave Pro wirklich hält, was Soundbrenner verspricht.

Text und Fotos von Harald Wittig

Soundbrenner wurde 2014 von Florian Simmendinger, Julian Vogels and Vinh Nghi Tiet gegründet und residiert in Sheung Wan, einem Stadtviertel von Hong Kong, hat aber auch ein Büro in Berlin. Das noch junge Unternehmen konzentriert sich auf die Entwicklung und Herstellung von nützlichen Helfern und Werkzeugen für Musiker. Einige Aufmerksamkeit bekam Soundbrenner für seine tragbaren Taktgeber, Pulse gennant: Die sehen aus wie Smartwatches, sind aber vibrierende Metronome, welche die tragenden Musiker die Takte/Rhythmen fühlen lassen. Nun, wenn Keyboard-Ass Jordan Rudess (Dream Theater) Pulse in höchsten Tönen lobt and selbst benutzt, kann das smarte Metronom nicht verkehrt sein. Jedenfalls wächst das Produktportfolio von Soundbrenner kontinuierlich und wir bemerken, dass der Herstellers einige clevere Werkzeuge für Musiker im Angebot hat: Dazu gehören der Übungsbegleiter Core 2 im Smart Watch-Format, der tatsächlich eine Smart Watch, ein Metronom, ein chromatisches Stimmgerät und mehr im stylischen Gehäuse vereint. Interessant auch das Schaltpedal Stomp, das aussieht wie ein Tretmine für die Zupferfraktion, aber tatsächlich ein Fußschalter zur (Musik-)App-Steuerung ist.

Die neuste Entwicklung aus dem Hause Soundbrenner nennt sich Wave Pro. Dabei handelt es sich um einen In-Ear Monitor/IEM, der für professionelle Anwendungen sowie Ansprüche von Musikern und Toningenieuren konzipiert wurde. Tatsächlich sieht der Hersteller seinen Wave Pro auf Ohrhöhe mit den IEMs etablierter Hersteller wie, um nur einen zu nennen, Beyerdynamic. Der Wave Pro ist nicht der erste IEM von Soundbrenner: Schon etwas länger gibt es den Wave, der eine gewisse Bekanntheit erreichte und recht gute Wiedergabeeigenschaften haben soll. Der Wave Pro ist allerdings wesentlich aufwändiger konstruiert und üppiger ausgestattet – dazu gleich ausführlich – und ist für rund 400 Euro – den Wave gibt‘s für etwa 220 Euro – zu haben. Zum 12-Jährigen Bestehen des Unternehmens gab es letzthin auf alle Produkte sehr attraktive Sonderangebote, die zwar wieder ausgelaufen sind. Aber es lohnt sich unseres Erachtens, auf der mehr sprachigen Soundbrenner-Website vorbeizuschauen. Der Hersteller setzt übrigens auf Direktverkauf, weswegen die Produkte ohne Umwege aus Hong Kong in die Welt und zu den Käufern kommen. Damit kann Soundbrenner die Preise niedrig halten, ohne bei Fertigung und Ausstattung Kompromisse eingehen zu müssen. Aber jetzt wollen wir mal tief einsteigen und herausfinden, ob der Wave Pro sein Geld wert ist und dem selbstgesetzten Anspruch gerecht werden kann.

Soundbrenner setzt bei seinem Wave Pro auf ein Mehrwegesystem aus vier Treibern. Die Gehäuse der Ohr-Hörer sind aus Polycarbonat, die Gehäuse um die Außenmembran aus vergoldeter Bronze.

Treiber-Quartett

Gehen wir direkt ins Detail und betrachten das klingende Herzstück des Wave Pro: Soundbrenner setzt auf eine Quad-Treiber-Array, also vier Miniatur-Treiber in Mehrwegetechnik. Ähnliche Mehrwegesysteme bieten auch Hersteller wie Vision Ears oder CTM an. Auch Soundbrenner setzt auf ein Hybrid-System, indem dynamische Treiber mit anderen Bauarten kombiniert werden. Der zehn Millimeter-Basstreiber hat zur Wiedergabe-Optimierung eine Beryllium-Beschichtung, ein Polymer-Treiber ist für den Mittenbereich zuständig, während der sechs Millimeter-Hochtöner mit Titan verstärkt ist. Alle drei sind dynamische Treiber, der Vierte im Treiber-Bunde fungiert gewissermaßen als Super-Hochtöner und ist tatsächlich ein miniaturisierter planer-magnetischer Treiber, der wie der Hochtöner sechs Millimeter durchmisst. Damit knüpfen wir gewisse Erwartungen an Impulsverhalten und Wirkungsgrad. Wir sind sehr gespannt auf den Klang des Wave Pro. Aber dazu wie üblich im letzten Abschnitt dieses Tests.

Ein derart aufwändiges System bedingt allerdings eine gewisse Baugröße und ein gegenüber IEMs mit nur einem Treiber höheres Gewicht. Tatsächlich bringt einer der Wave Pro Ohr-Hörer 14 Gramm auf die Briefwaage. Zum Vergleich: Ein Hörerchen des in dieser Ausgabe getesteten Beyerdynamic DT 30 IE ist 2,4 Gramm leicht und höchstens halb so groß wie die Wave Pros. Deswegen legte Soundbrenner besonderes Augen – und vermutlich auch – Ohrenmerk auf den Tragekomfort seines IEM. Folgerichtig finden sich sage und schreibe 18 Ohrpassstücke in der schmucken schwarzen Schachtel. Die unterscheiden sich wiederum in puncto Machart deutlich:

Die Verbindung der Ohrhörer mit dem Anschlusskabel erfolgt über 2-Pin-Stecker. Die Hörer haben eine titangraue Abdeckung aus Zink.

Die „Liquid Pro“ genannten bestehen aus einem festen Kern, der den Schall in den Gehörgang leitet und einer ausgesprochen weichen Ummantelung zur bestmöglichen Anpassung an die Ohrmuschel. Tatsächlich sind diese Kunststoffmäntelchen ungewöhnlich flexibel und passen sich sehr geschwind und gut ans Ohr an. Die Liquid Pros gibt es paarweise sortiert in den drei Größen S, M und L. Das gilt auch für die übrigen Ohrpassstücke. Wie gemeinhin üblich erhält der Käufer drei Paar Memory Foam/Gedächtnisschaum Ohrpassstücke, die sich funktional nicht von denen der Mitbewerber unterscheiden. Die mit „Double flange“ bezeichneten Silikon-Ohrpassstücke sind indes nicht bei jedem Hersteller zu finden. Deren Mäntelchen besteht aus zwei Silikon-Hüten, was der Passgenauigkeit ausweislich unserer Erfahrungen sehr dienlich ist. Gleichzeitig wird das Ohr noch besser gegen das Eindringen von Außengeräuschen als mit den beiden anderen Varianten abgedichtet. Wir haben uns schließlich für den Testzeitraum für die Double flange-Ohrpassstücke entschieden. Einfach, weil die Wave Pro Ohrhörer damit wirklich jedem Redaktionsmitglied passen und wegen der besseren Schallisolation.

Apropos Schallisolation: Die erreicht laut Hersteller hervorragende 36 Dezibel, sodass Musiker, aber auch andere Anwender praktisch nicht von Außengeräuschen gestört werden. Dass Beyerdynamic den Wert auf 38 Dezibel heraufschrauben kann und sich damit an die Obergrenze von 39 Dezibeln sehr annähert, wollen wir nicht verschweigen. Aber das ist kein Grund, am Wave Pro zu zweifeln, denn Werte von 25 bis 35 Dezibel stellen eine hervorragende Schallisolation, ideal für professionelles In-Ear Monitoring auf der Bühne, dar.

Viel Aufwand für optimalen Sitz

Doch Musiker, die ständig mehr oder weniger stark in Bewegung sind, benötigen auch einen bestmöglichen Sitz der IEMs. Dank der sehr guten Ohrpassstücke ergibt sich ein optimaler Sitz der beiden Ohrhörer und tatsächlich sind die vergleichbar großen Abmessungen zumindest vorteilhaft für Träger mit mittlerem und großem Außenohr. Menschen mit besonders zierlichen Ohren könnten andere Erfahrungen machen, weswegen es keine schlechte Idee ist, den Wave Pro zuvor auszuprobieren. Nun, das ist wegen fehlender Zwischenhändler nicht ganz einfach. Soundbrenner gewährleistet allerdings eine 30-tägige Prüfungszeit ab Erhalt der Ware. Immerhin.

Der Klinkenstecker ist über einen 5-Pol-Steckverbindung mit dem Kabel verbunden und auswechselbar. Beispielsweise mit dem optionalen USB C-DAC.

Zum guten Sitz der Ohrhörer trägt auch das Anschlusskabel mit seinem Ohrbügel bei. Die bieten einen Sitz wie wir ihn von den CTM-In-Ears kennen und schätzen. Dass das Kabel auch einen sehr robusten Eindruck hinterlässt, vermerken wir ebenfalls wohlwollend. Auch die Machart des Signalleiters überzeugt, handelt es sich doch um ein sauerstofffreies und versilbertes Kupferkabel. Die Verbindung mit den vergoldeten Anschlussbuchsen aus Bronze der beiden Ohrhörer erfolgt über Zwei-Pin-Steckerchen. Fürs Verbinden bedarf es eines gewissen Fingerspitzengefühls. MMCX-Verbinder erscheinen uns etwas umgänglicher, aber das ist sicherlich Geschmacks- und Gewohnheitssache, zumal die Verbindung nicht ständig gelöst und erneuert werden wird.

Interessant ist, dass der 3,5 Millimeter Klinkenstecker über eine Fünf-Pol-Steckverbindung mit dem Kabel konnektiert und damit auch austauschbar ist. Aus gutem Grund, denn Soundbrenner bietet als Option auch einen kleinen Kopfhörerverstärker/DAC mit USB C-Anschluss an. Der kostet keine 30 Euro, bietet ein Maximalauflösung von 24Bit/96kHz und klingt ganz passabel. Allerdings ist der GoLink von iFi, der mit rund 70 Euro auch nicht teuer ist, klanglich klar überlegen und gegen einen USB DAC wie den Dragonfly Cobalt machen beide keinen Stich. Aber dass es für wenig Geld eine brauchbare Möglichkeit gibt, den Wave Pro direkt mit dem Rechner und Mobilgeräten zu verbinden, um definitiv von einem Mehrklangwert profitieren  zu können, vermerken wir auf der Positiv-Liste. Klinkenstecker und DAC werden über eine Überwurfmutter gesichert, einmal mehr erfordert das Zusammenstecken, bedingt durch die Miniaturisierung der Verbindung, Sorgfalt und feinfühlige Finger.

Zur Aufbewahrung gehört ein robustes Transportköfferchen zum Gesamtpaket, in dem auch, so mit erworben, der USB C-DAC sowie der mitgelieferte 6,3 Millimeter Stereo-Klinkenadapter hineinpassen. Gerade so eben lassen sich auch Wechsel-Ohrpassstücke in ihren – sehr gut – Kunststoffboxen hinzupacken. Lohse passen die selbstverständlich ins Zubehörfach, wenngleich nicht nur wir um einen Verlust bangen würden. Die Verarbeitung des Zubehörs und der IEMs ist auf hohem Niveau – wir finden auch bei bestem Unwillen keinen Grund zum Meckern. Auch rein ästhetisch gefallen zumindest uns die Ohrhörer mit ihrer grauen, an Titan erinnernden Schutzkappe, die allerdings aus Zink ist. Die Gehäuse der Hörer sind aber aus Polycarbonat, das hohe Stabilität mit vergleichbar geringem, tragbarem Gewicht verbindet. Dass auch das Kabel sowie die Anschlussstecker titangrau sind, sorgt für Abrundung des gefälligen Erscheinungsbildes.

Grundsolider Performer

Bevor wir uns der Klangbeschreibung widmen, noch ein paar Anmerkungen zu den technischen Daten. Soundbrenner gibt einem vergleichsweise gemäßigten Übertragungsbereich von 20 Hertz bis 20 Kilohertz an. Zum Vergleich: Der DT 70 IE, Beyerdynamics für kritisches Monitoring im Studio konzipierter Profi-IEM reicht von fünf 5 bis 40.000 Hertz. Mit einer Empfindlichkeit von 110 Dezibel darf der Wave Pro als „hochsensibel“, also überdurchschnittlich empfindlich gesehen werden. Gleichzeitig ist er mit einer Impedanz von 15 Ohm – wie allerdings praktisch alle In-Ears – niederohmig, was einen lauten IEM vermuten lässt. Aber das wollen wir nunmehr erhören:

Insgesamt 18 Ohrpassstücke, also drei mal drei Paare, gehören zum Lieferumfang und sorgen zusammen mit dem Anschlusskabel für optimalen Sitz.

Bei einer passiven Schallisolation auf sehr hohem professionellem Niveau, dass sich hinter den Klassenbesten von Beyerdynamic in keiner Weise verstecken muss, ist der Wave Pro zunächst ein sehr lauter IEM. Was bei unseren allerersten Hörsitzungen zu nicht unerheblichen Irritationen führte, denn der, wie wir später herausfanden, zu laut angefahrene Wave Pro machte schlichtweg alles, also auch Rauschen und sonstige Störgeräusche hörbar. Nachdem wir das Pre Gain unserer beiden Referenz-Kopfhörerverstärker Violectric HPA V200 und V281 auf -6 dB setzten, konnten wir dem Wave Pro wirklich auf die Klangspur kommen.

Vermutlich dank seiner Quad Treiber-Architektur wartet der Wave Pro mit einer überdurchschnittlichen Raumdarstellung auf, die nicht nur in seiner Produktgruppe, sondern auch im Vergleich zu konventionellen Kopfhörern, namentlich den geschlossenen Modellen, selten ist. Das erhöht nicht nur den Spaß beim Genußhören, sondern hilft vor allem bei der praktischen Arbeit, wenn es darum geht, die Wirkung von Halleffekten oder die Räumlichkeit einer akustischen Aufnahme zu beurteilen.

Der Wave Pro mag nicht – zumindest nach den technischen Daten – in tiefschwarze Bassregionen hinabreichen, dennoch ist seine Bassdarstellung wirklich gut. Denn er dickt Bässe nicht an und hat sowohl Gary Peacocks Kontrabass als T. M. Stevens knallharten Funkbass sehr gut im Griff. Unser Gegenhörtest mit dem sehr ausgewogen-neutralen Hi-X65 von Austrian Audio (Test in dieser Ausgabe) bestätigt diesen Höreindruck. Das kann auch der DT 70 IE von Beyerdynamic nicht besser, im Vergleich zum DT 73 IE tönt der Soundbrenner IEM sogar signaltreuer. Das heißt wohlgemerkt nicht zwingend „schöner“.

Der Mittenbereich ist im Gesamtbild sehr gut repräsentiert und fast wären wir‘s zufrieden, wenn  sich nicht die Höhen zu sehr in den Vordergrund drängen würden. Das sorgt zwar für einen Effekt, der mitunter als „luftig“, wohl besser als „analytisch“ bezeichnet wird, aber nach unserem sehr strengen Verständnis von Signaltreue einfach zu viel ist. Einmal mehr belehrt uns der Austrian Audio Hi-X65 eines Besseren und auch unser heißgeliebter Beyerdynamic DT 900 Pro X, der ein Spur präsenter als der Österreicher klingt, macht es besser. Um in der Produktkategorie des Wave Pro zu bleiben: Der auch preislich vergleichbare DT 70 IE von Beyerdynamic klingt doch ausgewogener, mit weniger Höhenluftigkeit. Das spricht nicht gegen den Soundbrenner als Proberaum- und Bühnen-IEM. Da liefert er sehr gut ab. Aber fürs kritische Überprüfen von Audiomaterial ist er nach unseren sehr strengen Maßstäben nur bedingt geeignet und die Hinzuziehung einer zweiten Kontrollinstanz ist verpflichtend. Ist das jetzt schlecht? Ganz und gar nicht. Heißt unterm Strich: Ein sehr achtbares Debüt der IEMs von Soundbrenner.

Fazit

Als Neuling im internationalen IEM-Reigen schlägt sich der Wave Pro von Soundbrenner bemerkenswert gut: Verarbeitung und Ausstattung sind top, klanglich ist er sehr gut für Proberaum und Bühne, mit Abstrichen sogar fürs Monitoring im Studio geeignet.

HerstellerSoundbrenner
Vertriebwww.soundbrenner.com
TypIn-Ear-Hörer
Preis [UVP]399 Euro
Farbetitangrau
Gewicht 14 g (pro Ohrhörer, ohne Kabel und Ohrpassstück)
Wandlerprinzipdynamisch/planar-magentisch
Bauweisegeschlossen
Frequenzbereich20 Hz – 20 kHz
TreiberQuad-Treiber Mehrwegesystem: 3 x dynamisch, 1 x planar-magnetisch
Empfindlichkeit111 dB
Schallisolationbis -36 dB
Impedanz15 Ohm
Anschlusskabel 1,5 Meter, 1 x 3,5 mm Klinke, zweiseitig geführt
Verbindung
In Ear-Kabel
2-Pin-Steckersystem, vergoldet
Zubehör sauerstofffreies, versilbertes Kupfer-Anschlusskabel, drei Paar „Liquid Pro“-Ohrpassstücke, drei Paar ­Gedächtnisschaum-Ohrpassstücke, drei Paar „Double flange“-Ohrpassstücke, 6,3 mm Klinkenadapter,­ ­Transportköfferchen
BesonderheitenFür Musiker und Tonschaffende konzipiert – live und Studio -, USB C-DAC und 2,5 Meter Kabel mit Mikrofon optional erhältlich.
KategorieOberklasse
Ausstattungsehr gut – überragend
Bedienungsehr gut
Klangsehr gut
Gesamtnotesehr gut