
Na, das wurde aber Zeit. Tascam hat seinem Vier-Spur-Feld-Recorder DR-40 jetzt auch endlich ein Update verpasst und das Modell DR-40XP – ebenso wie seine kleinen Brüder DR-05 und DR-07 – mit zeitgemäßen Features versehen. Zuoberst steht die Aufnahmefähigkeit mit 32-Bit-Fließkomma und eine moderne USB-C-Schnittstelle. Doch es gibt noch weitere Neuheiten. Welche das sind, könnt Ihr im Folgenden nachlesen.
von Georg Berger
Schon seit vielen Jahren hat sich Tascam mit seiner DR-Serie im weiten Rund der Handheld-Recorder fest etabliert. Mit den Modellen DR-05 und DR-07 offeriert der Hersteller kostengünstige Werkzeuge, die sich primär an Reporter und all diejenigen wenden, die ohne weiteren Aufwand rasch amtliche (O-Ton-)Aufnahmen erstellen wollen (Test in Ausgabe 01/2025). Der große Bruder, das Modell DR-40 wird vom Hersteller selbstbewußt als Field-Recorder ausgewiesen. Kein Wunder, verfügt dieses Aufnahmegerät zusätzlich zu seinen zwei internen Mikrofonen – wahlweise in XY- oder AB-Position einsetzbar – noch über zwei Combo-Buchsen inklusive Phantomspannung und über die Möglichkeit zum Erstellen von Vier-Spur-Aufnahmen. So können Tonjäger, aber auch Videographierer mobil mit ihren Leib-und-Magen-Schallwandlern jedwedem O-Ton auf den Leib rücken. Ebenso wie beim 05er- und 07er-Modell hat Tascam nun seinem Handheld-Flaggschiff DR-40 ein technisches Update verpasst, bei dem zuoberst die Aufnahmefähigkeit mit 32-Bit-Fließkomma steht. Das wurde aber auch Zeit, wie ich finde. Daneben haben die Ingenieure auch die internen Vorverstärker durch eine Neukreation – HDDA genannt – ersetzt und die internen Mikrofone besser vor Einstreuungen geschützt.
Als immer noch glücklicher Besitzer eines Tascam DR-40, der mir nun schon seit 14 Jahren ein verlässlicher Partner beim Festhalten musikalischer Ideen, bei Interviews, Live-Konzerten und beim Angeln von Feldaufnahmen ist, war ich schon gespannt darauf, zu erfahren, was das brandneue Modell DR-40XP auf dem Kasten hat. Also, schauen wir uns die aufgebohrte XP-Variante ohne Umschweife einmal näher an.
Vier Spuren mit 32-Bit Fließkomma-Auflösung
Wer sich zum Kauf entschließt, zahlt knapp 270 Euro. Ein, gemessen an den enthaltenen Features, fairer Preis. Zubehör gibt es keines, was ich aber auch nicht als Manko ansehe. Das kleine Gummifüßchen zum schrägen Aufstellen des ersten DR-40 war seinerzeit das erste Zubehörteil, was ich verloren, danach aber auch nie vermisst habe. Und eine SD-Karte sowie Batterien hat der Ton-Aficionado eh immer im Haus, sodass auch diese einstmaligen Dreingaben nicht vermisst werden. Äußerlich gleicht die XP-Variante seinen Vorgängern zu 98 Prozent. Lediglich leichte Änderungen in der Gehäuseform, der Aufdruck der Modellbezeichnung am Fuß der Oberseite sowie rote dünne Ringe um die Mikrofonkapseln weisen primär auf die neue Version hin. Ansonsten finden sich die gleichen Bedienelemente an exakt denselben Stellen und das zentrale Display zeigt zumeist die üblichen Inhalte an, die wir auch schon von der Vorversion kennen. Warum auch nicht? Schließlich geht es ja darum, Gutes besser zu machen und das Bewährte zu bewahren. Wer jedenfalls vom alten DR-40 oder dem Nachfolger DR-40X auf das neue XP-Modell umsatteln will, braucht rein gar nichts neu zu lernen. OK, einige kleine Änderungen in der Menüführung via Display gibt’s schon. Aber das ist rasch verinnerlicht. Weitere zunächst eher unscheinbare Unterschiede finden sich auch bei den Status-LEDs am Gehäuserand. So gibt es im XP-Modell keine LED mehr zur Anzeige des Dual-Modus. Später dazu mehr. Ansonsten zeichnet sich der DR-40XP durch die gleiche leichte Klobigkeit aus, die den beiden Combo-Buchsen am Fuß des Gerätes geschuldet ist. Doch selbst mit kleinen Händen und kurzen Fingern lässt sich der Recorder dennoch bequem mit einer Hand bedienen. Auch in Sachen Gewicht herrscht Gleichstand.

Wie gehabt ist auf der rechten Gehäuseflanke der SD-Kartenslot sowie die USB-Schnittstelle eingelassen. Neu ist hier, dass der DR-40XP ausschließlich Karten im modernen, kleinen MicroSD-Format bis maximal 512 Gigabyte in sich aufnehmen kann. Und nun verfügt auch dieser Recorder über eine Standard USB-C-Buchse. Identisch fällt die Ausstattung auf der linken Gehäuseflanke aus. Das Ganze fängt mit der 3,5-Millimeter-Stereoklinkenbuchse zum Anschluss eines Kopfhörers oder zum Einspeisen in anderes Audio-Equipment an. Via Schiebeschalter aktivieren wir die Tastensperre zum Verhindern unabsichtlicher Bedienvorgänge und mithilfe des Eingangswahlschalters bestimmten wir, welche Art von externem Signal an die Combo-Buchsen angeschlossen sind (Line, Mikrofon, Mikrofon + Phantomspannung). Mit der Tastenwippe direkt darunter stellen wir das Input-Gain der internen Mikrofone und externen Signalquellen ein. Soweit so gut.

Verbesserte Mikros, neue Preamps
Auf der Unterseite findet sich ein Miniaturlautsprecher zum direkten Abhören der Aufnahmen sowie ein Schraubgewinde zum Befestigen an einem Kamerastativ. Das Batteriefach nimmt wie gehabt drei Batterien im AA-Format entgegen. Je nach verwendetem Typ (Alkaline, NiCDm, Lithium) und Arbeitsmodus soll der DR-40XP zwischen fünf (Vierspur-Betrieb mit Phantomspannung) bis 30 Stunden (reiner Wiedergabemodus) laufen, bevor die Batterien am Ende sind. Das ist zusammen mit den größeren Speichermedien schon einmal ein spürbarer Fortschritt in Sachen Dauer und Kapazität. Wahlweise kann, auch das ist nicht neu, via Powerbank oder Netzgerät und USB eine alternative Stromversorgung verwendet werden. Die kleine Klinkenbuchse zwischen den Combo-Buchsen am Fuß des Gehäuses gibt es übrigens nicht mehr. Seinerzeit konnten darüber zwei kabelgebundene, aufpreispflichtige Fernbedienungen angeschlossen werden. Wir haben diese Option in all den Jahren, wie wahrscheinlich auch der Großteil der übrigen Nutzer nie gebraucht, weshalb sich Tascam das jetzt wohl gespart hat. Nun gut.
Die Oberseite offeriert die bekannten drei Tansporttasten, zwei Track-Tasten zur Anwahl und Bearbeitung der Spuren/Eingänge und über den Record-Modus Taster können wir weitere Einstellungen rund um die Aufnahme vornehmen. Die Einstellungen geschehen wie gehabt über das, in dieser Version leicht blau hinterleuchtete, zentrale Zweifarb-Display und das Tastenkreuz (Plus-/Minus, Skip forward/backward) mit mittig eingelassener Enter-Taste zum Bestätigen der gemachten Einstellungen/Werte. Viertelkreisförmige Tasten zwischen dem Tastenkreuz gewähren Zugang zu weiteren Einstellmöglichkeiten. Alles wie gehabt, alles völlig simpel und ohne großartige Verzweigungen in unzählige Unter-Menüs. So soll es sein, so sind wir das von Tascam gewohnt.
Dedizierter Audio-Interface-Modus
Kommen wir als Nächstes zu den inneren Werten und zu den enthaltenen Features. Wie eingangs schon erwähnt, ist das unbestrittene Haupt-Feature die Fähigkeit, ab sofort auch verzerrungsfreie Aufnahmen mit einer 32-Bit-Fließkomma-Wortbreite bis hinauf 96 Kilohertz anfertigen zu können. Natürlich sind auch die ungleich datenschonenderen 16- und 24-Bit-Auflösungen weiterhin verfügbar. In Sachen MP3 ist auch alles beim Alten. Es wird wahlweise mit 44,1 oder 48 kHz bei Raten zwischen 32 bis 320 kbit aufgenommen. Neu ist jetzt ein dedizierter Audio-Interface-Modus, der via Display-Menü aktiviert wird. Dort stehen dann je zwei Kanäle ein- und ausgangsseitig zur Verfügung, die allerdings nur mit maximal 24 Bit und 44,1 oder 48 Kilohertz wandeln, was ein bisschen schade ist. Zumindest der 32-Bit-Modus bei 44,1/48 Kilohertz hätte dem DR-40XP in diesem Modus gut zu Gesicht gestanden und gerade beim Verarbeiten von externen Eingangssignalen manch einem Konkurrenten ein Schnippchen geschlagen. So verschenkt Tascam hier einen entscheidenden Vorteil, der sogar waschechte Desktop-Geräte in arge Bedrängnis gebracht hätte. Ein expliziter ASIO-Treiber für Windows-Systeme steht selbstverständlich kostenlos auf der Tascam-Homepage zum Download bereit.

Der vorhin erwähnte Dual-Modus ist nicht mehr an Bord. Seinerzeit war dies eine Art Havarie-System bei dem zwei Aufnahmen simultan mit vorher definierbaren, unterschiedlich hohen Pegeln angefertigt wurden. Wenn es also in der einen Aufnahme Verzerrungen gegeben hat, konnte man sich die relevante Stelle aus der geringpegeligen Aufnahme herausschneiden. Durch den 32-Bit-Modus ist das jetzt hinfällig, ebenso wie die entsprechende Status-LED.
Ansonsten finden sich auch in der XP-Version die gleichen Features, die wir schon von den beiden vorherigen Versionen her kennen und schätzen. Zu erwähnen ist der aktivierbare MS-Decoder, Trittschall-Filter, Limiter im Aufnahmeweg, Equalizer, Hall-Effekte und ein integriertes Stimmgerät für Gitarristen. Das Klappensignal für Videoaufnahmen ist auch mit an Bord ebenso wie die vielen Funktionen rund ums Aufnehmen, wie etwa die Marker-Funktion, die vorgezogene Aufnahme, die Auto-Aufnahme nach Überschreiten eines vordefinierten Pegels und der Overdub-Modus zum Aufnehmen weiterer Signale auf eine bereits existierende Aufnahme. Der kleine Mixer zum Austarieren der vier Spuren inklusive Panpot fehlt ebensowenig. Bemerkenswert ist nach wie vor die Funktion, die Laufzeit der externen Signale an die internen Mikrofone anzupassen, was nicht nur in Millisekunden, sondern auch praktischerweise in Metern angezeigt wird. Solch ein Profi-Feature ist nicht alltäglich und spart schon einmal viel Zeit bei der anschließenden Arbeit in der DAW oder dem Schnittprogramm.
Glasklarer, plastischer, überzeugender Klang
Nicht unerwähnt wollen wir auch den „Audio File Manager“ lassen. Die ebenfalls kostenfrei auf der Tascam-Seite erhältliche Software ist ein Audio-Editor mit graphischer Wellenformanzeige, der die gebräuchlichsten Funktionen – Schneiden, Löschen, Kopieren, Einfügen, Dateinamen-Management – bereitstellt. Sehr schön ist die Normalisierungs-Funktion, die gerade bei den 32-Bit-Aufnahmen ein verlässlicher Partner zum Angleichen der Pegel ist. In Steinberg Cubase wird zwar nach wie vor im Arrangementfenster eine komplett verzerrte Aufnahme angezeigt. Aber bei Aufruf des Clips im Cubase-eigenen Audio-Editor sind die Pegel analog zum im Tascam-Editor eingestellten Wert angeglichen. Die schlanke Anwendung dürfte gerade für Mobilisten und Reporter unter Zeitdruck eine dankbare Alternative zu einer DAW sein.

In Sachen Klangqualität kann der DR-40XP ohne Wenn und Aber überzeugen. Im Test fertigen wir Sprach- und Instrumentenaufnahmen mit exakt gleichen Einstellungen einmal im guten alten DR-40 und im DR-40XP an. Ganz gleich ob mit den internen Mikrofonen oder externen Schallwandlern: In Sachen Auflösung und Dynamik stellen sich beide Modelle als akribisch arbeitende Geräte vor, denen wirklich nicht das kleinste Detail entgeht. Doch im direkten Vergleich ist hörbar, dass die XP-Aufnahmen stets eine kleine Portion mehr an Räumlichkeit und Luftigkeit besitzen, den neuen Preamps sei Dank. Ein Vergleich zu unserer Referenz, dem in Ehren ergrauten RME Fireface 400, wird da zu einer äußerst kniffligen Angelegenheit. Punkt, Satz und Sieg heißt es mit diesen Eigenschaften schließlich auch in Sachen 32-Bit-Aufnahmen. Einmal mehr fange ich eine Klangkulisse am Rhein mit vielen Umgebungsgeräuschen ein, die sich eindrucksvoll und einmal mehr hörbar plastisch in Szene setzen. Es ist herrlich, in dem Modus Pegeleinstellungen einfach ignorieren zu können. Ein Rauschen ist selbst in leisen Passagen nicht hörbar, was für die Qualität der internen Mikrofone spricht. Und auch nach Bearbeitung der Dynamik erfreue ich mich einmal mehr an einer wohlklingenden, plastischen Aufnahme.

Fazit
Die neuen Features im Tascam DR-40XP mögen vielleicht nicht zahlreich sein. Dafür punkten sie aber ohne Wenn und Aber. Zuvorderst sind der 32-Bit-Modus, die neuen Preamps und der Audio-Interface-Modus zu nennen. Wem die aktuellen Tascam-eigenen Flaggschiffe der Portacapture-Serie zu teuer und kompliziert in Sachen Features und Bedienung sein sollten, erhält mit dem DR-40XP einen schnörkellosen Handheld-Recorder mit der Möglichkeit zum Einsatz eigener Mikrofone und Vierspur-Betrieb. Mit diesen Möglichkeiten ist der DR-40XP bestens gerüstet und flexibel aufgestellt für alles rund um Feldaufnahmen, Videographie, Podcast, (Live-)Musik und Interview.
DR-40XP
| Hersteller | Tascam |
| Vertrieb | https://tascam.eu |
| Typ | Handheld Recorder |
| Preis [UVP] | 267 Euro |
| Abmessungen | 70/90 × 155 × 35 mm (B x H x T) |
| Farbe | |
| Gewicht | 213/282 g (ohne/mit Batterien) |
Technische Daten
| Abtastrate | MP3: 32 – 320 kbit/s; 44,1/48 kHz | |
| Speichermedien | MicroSD/SDHC/SDXC (max. 512 GB) | |
| Anzahl Spuren | 4 (2x stereo) | |
| USB-Audio | 2×2-Interface, 44,1/48 kHz, 24 Bit | |
| Stromversorgung | 3x AA-Zellen (Alkaline-/Lithium-Batterien, NiMH-AKKUs), USB-C | |
| Maximale Laufzeit | 5 Std. (Alkaline-Batterien, 4-Spur-Aufnahme + Phantomspannung, Wav, 96 kHz, 32bit), 16 Std. (Stereoaufnahme interne Mikros), 30 Std. (Stereowiedergabe via Kopfhörer) | |
| Integrierte Mikrofone | 2x Elektret, Niere, schwenkbar AB + XY | |
| Eingänge | 2x Combo (inkl. Phantomspannung 24/48V) | |
| Integrierter Monitor | ja, mit Pegelsteller | |
| Kopfhöreranschluss | ja, 3,5 mm-Stereoklinke, regelbar | |
| USB | 1x USB-C (Stromversorgung, Datentransfer, Audio-Interface) | |
| Anzeige | 1,8 Zoll Zweifarb-LCD (hinterleuchtet), 3 Status-LED (Peak, 4ch, Overdub) | |
| Bedienelemente | 11 Taster, 4-fach-Schaltkreuz, 2 Schalter, 1 Tastwippe | |
| Sonstige Funktionen | 4-Kanal-Mixer, LowCut-Filter (40, 80, 120, 220 Hz), Hall (6 Presets), EQ im Wiedergabeweg, MS-Decoder, Klappensignal-Funktion, automat. Pegelanpassung bei Aufnahme und Wiedergabe, Auto-Aufnahme, Marker (manuell/automatisch), Punch-in, Overdub, Pre-Record (2 sek.), variable Wiedergabe (50 – 150%), Schnitt/Loop/Wiederhol-Funktion, integriertes Stimmgerät, Tastensperre, mehrsprachiges Menü, Schraubgewinde zum Befestigen an Kamerastativen | |
| Lieferumfang | Sicherheitsleitfaden, Registrierungskarte | |
| Besonderheiten | Aufnahme mit 32-Bit-Gleitkomma bis 96 kHz im Wav-Format möglich, integrierte USB-C-Buchse, Recorder lässt sich als 2×2 Audio-Interface nutzen, integrierte Mikrofone schwenkbar für Aufnahmen im AB- oder XY-Modus, Mikrofonanschlüsse mit Tascam-eigenen HDDA-Preamps ausgestattet, verbesserter Schutz vor Funkeinstrahlungen, kostenlose Audio-File-Manager Software erlaubt Anpassen von 32-Bit-Float-Aufnahmen und Clip-Management. |
Bewertung
| Kategorie | Mittelklasse |
| Ausstattung | überragend |
| Bedienung | sehr gut |
| Verarbeitung | sehr gut |
| Klang | sehr gut – überragend |
| Gesamtnote | sehr gut – überragend |

